Kolumne: Seehofer und die Gamerszene

Nachdem ich frisch von zwei verschiedenen Demonstrationen (eine, die mit Waffengewalt gegen brutale Spiele vorging und eine andere, welche zum Schutz aller BĂ€ume BĂŒcher verbrannt hat) nach Hause kam, las ich, dass der deutsche Innenminister Horst Seehofer nach dem schlimmen Angriff auf eine Synagoge in Halle der Ansicht ist, dass man einen Blick auf die … weiter

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Kolumne: Seehofer und die Gamerszene

FloosWorld am 13.Oktober 2019 um 12:10:14

Nachdem ich frisch von zwei verschiedenen Demonstrationen (eine, die mit Waffengewalt gegen brutale Spiele vorging und eine andere, welche zum Schutz aller BĂ€ume BĂŒcher verbrannt hat) nach Hause kam, las ich, dass der deutsche Innenminister Horst Seehofer nach dem schlimmen Angriff auf eine Synagoge in Halle der Ansicht ist, dass man einen Blick auf die Gamerszene werfen solle, da hier natĂŒrlich potenzielle TĂ€ter dabei sein könnten.

War ich anfangs noch empört, so kann ich Seehofer dann doch verstehen, weshalb man diese Szene nĂ€her betrachten sollte, da hier einige der schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte begangen wurden. Ich rede hierbei beispielsweise von dem massenhaften Schildkrötensterben, das durch die japanische Firma Nintendo in mehreren Titeln mit dem italienischen Kemptner Mario beworben wird: sie werden bei Marios Jump ‘n Run Abenteuern regelrecht zertreten und die sterblichen Überreste werden anschließend bei den Rennspielablegern der Mario Kart-Reihe als Items benutzt, um unliebsame Kontrahenten auszubremsen.

Ein weiteres Beispiel ist bei der recht beliebten Worms-Reihe zu finden, da hier kaltblĂŒtige Kriegssituationen gegen wehrlose WĂŒrmer im Vordergrund stehen und um zu ĂŒberleben sich zwangsweise ohne jeden Skrupel mit ĂŒbermĂ€chtigen Waffen wie dem Superschaf (SS
 hat das was mit Nazis zu tun?) ins Jenseits zu befördern. Hier wird regelrecht Scha(r)f geschossen. Noch gefĂ€hrlicher wird es hierbei, wenn die WĂŒrmer sich mit Bananenbomben gegenseitig das Leben nehmen. Also am Besten aufpassen, wenn man das nĂ€chste Mal im Markt des Vertrauens eine Banane kauft – sie könnte mit Sprengstoff versetzt sein!

Aber Spaß beiseite, hier kommt der traurige Ernst: Wir sind im Jahr 2019 angekommen und die Debatte um „Killerspiele“ sollte eigentlich lĂ€ngst so alt sein, sodass sie ins Museum gehört, denn wer immer noch die bequeme Populismuskeule aus den 2000ern schwingt, der hat rein gar nichts verstanden. Doch leider hat es sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass mentale Blackouts unter etablierten Politikern und Experten nach wie vor zum Alltag gehören, wenn man sich z.B. das Statement von Thomas de MaiziĂšre zur Schießerei in MĂŒnchen 2016 anschaut.

Doch nicht nur Politiker und Experten leiden unter einer Denkblockade im Zusammenhang zwischen Gewalt und Gaming, sondern auch Medien, welche es gerne mal subtil probieren, so wie man am 10. Oktober 2019 in einem Onlineartikel der Welt lesen konnte. Dort wurde geschrieben, dass der AttentĂ€ter von Halle sein „Live-Video von der Tat in Echtzeit im Internet verbreitet“ hat und dazu die „Streaming-Plattform Twitch, eine wichtige AbspielstĂ€tte fĂŒr die Übertragung von Videospielen“ genutzt hat. So weit, so gut (okay eher weniger gut). Die SubtilitĂ€tsbombe wird einen Satz spĂ€ter gezĂŒndet, denn dort heißt es, dass auf Twitch „Spiele, oft Ego-Shooter, von anderen Spielern betrachtet und verfolgt“ werden und, dass das Video der Tat „zum Teil ebenfalls wie ein Ego-Shooter gefilmt“ wurde. Ich wage mich mal weit aus dem Fenster zu lehnen und behaupte an dieser Stelle nach einem schnellen Blick in die Kategorienliste der Seite ohne es vorher nachzurechnen, dass der prozentuale Anteil an Ego-Shooter, die auf Twitch gestreamt werden (worunter 3rd Person Shooter wie Fortnite, sowie Spiele die wahlweise eine Egoansicht haben und damit keine reinen Ego-Shooter sind, also sowas wie GTA 5 konsequenterweise dann nicht fallen) deutlich geringer ist, als der Rest, der auf der Seite gestreamt wird.

Wirklich traurig, sowas knapp einem Jahrzehnt spĂ€ter nach der Hochzeit der Killerspiel-Debatte nach wie vor lesen zu mĂŒssen, aber nachdenken und (hoffentlich) granatenmĂ€ĂŸig recherchieren verursacht wohl Kopfaua. Aber keine Sorge: es gibt noch Hoffnung, solange es vernĂŒnftig denkende Menschen gibt.

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