Review: Bus Driver Gold

Simulationen, wo man mit einem Bus Passagiere von A nach B transportiert, auch wenn man Haltestellen von A bis Z anfahren muss, gibt es wie Sand am Meer. Simulationen, wo man allerdings mit recht abstrusen und eigenartigen Herausforderungen zu kĂ€mpfen hat, da sie mit einem hohen Grad an SensibilitĂ€t glĂ€nzen, bilden da eher eine Seltenheit. … weiter

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Review: Bus Driver Gold

kepu am 4.April 2018 um 14:04:41

Simulationen, wo man mit einem Bus Passagiere von A nach B transportiert, auch wenn man Haltestellen von A bis Z anfahren muss, gibt es wie Sand am Meer. Simulationen, wo man allerdings mit recht abstrusen und eigenartigen Herausforderungen zu kĂ€mpfen hat, da sie mit einem hohen Grad an SensibilitĂ€t glĂ€nzen, bilden da eher eine Seltenheit. Konkret geht es um das Spiel „Bus Driver“, welches 2007 von SCS Software entwickelt wurde. Ja, genau von den Herrschaften, die auch fĂŒr das sehr gute „Euro Truck Simulator 2“ verantwortlich sind. Aber hier geht es nicht um das Original, sondern die drei Jahre spĂ€ter erschienene „Gold“ genannte Version, die neben dem Standard-Umfang ein paar kleinere Extras mitbringt, die man aber hĂ€tte genauso gut in ein Update packen können.

Bei aller MerkwĂŒrdigkeit: das Spiel kommt mit einer netten Aufmachung. Einsame Busse mit Grinse-Smiley statt Liniennummer fahren durch die schicke PrĂ€rie, die die virtuelle Umgebung zu bieten hat. Sonst gibt es ein schlichtes MenĂŒ, welches einen bequem die Möglichkeit bietet, zwischen den 6 Stufen auszuwĂ€hlen (ursprĂŒngliche Version hatte 5), die jeweils 6 Busfahr-Missionen beinhalten. Es gibt ein paar Busse zur Auswahl, doch im Laufe der Zeit kann es vorkommen, dass man den Bus vom Anfang spĂ€ter nochmal hat, jedoch mit einer anderen Route. Es ist allerdings alles von Anfang an freigeschaltet, also kann selbst ein Neueinsteiger mit den schwereren Sachen beginnen. Das nimmt ein bisschen die Spannung auf die spĂ€teren Routen.

Hat man den recht kurzen Ladebildschirm ĂŒberwunden, startet man in den allermeisten FĂ€llen von einem Busbahnhof, wo man vorerst eine gewisse Menge an Leuten abholen muss. Die Passagiere werden abgeholt von Haltestellen, die stark grĂŒn leuchten und mit einem Grinse-Smiley einen zum Anhalten bewegen sollen. Grafische Meisterleistungen darf man hier nicht erwarten, denn die FahrgĂ€ste „beamen“ sich in den Bus rein. Immerhin hat man sich darum bemĂŒht, diese im Bus wieder auftauchen zu lassen.

Die Routen werden allesamt getĂ€tigt in einer recht großen Stadt, die dem Spieler leider nicht die Möglichkeit gibt, diese frei zu erkunden. Es sei denn, man startet eine Route und fĂ€hrt nicht die entsprechende. Man kriegt dabei sĂ€mtliche Gegenden geboten: Industrie, Altstadt, Flughafen, Schnee etc. Dabei gibt es normalen Personentransport, Schulbusbetrieb, Touristenfahrten oder sogar die Beförderung von GefĂ€ngnis-Insassen. Je nach Stufe sind die Routen auch unterschiedlich lang, am Ende erwartet dem Spieler sogar eine komplette Umrundung der Karte.

Die HUD im Spiel wirkt wie das eigentliche Spiel in Breitbild umschlossen von Schildern. Punkte, Gesamtpunktzahl, Karte mit Distanz zur nĂ€chsten Haltestelle, wie viele Haltestellen noch kommen mit Countdown, wann man an dieser erscheinen soll, wie viele Leute im Bus sind, wie ihre Stimmung ist, Geschwindigkeit in mph und Drehzahlmesser. Bemerkenswert ist da eine Messung der Bremse. Denn hier muss man vorsichtig mit dieser umgehen. Die FĂŒlle an Informationen haut einem dezent um.

WĂ€hrend der Fahrt wird man mit einer derben SensibilitĂ€t des Punktesystems konfrontiert. GefĂŒhlt kriegt man fĂŒr jede positive Kleinigkeit Punkte. Perfektes Anhalten an einer Haltestelle, das simple Losfahren von einer Haltestelle, das Überfahren einer grĂŒnen Ampel, sogar fĂŒr einen Spurwechsel, den man mit Blinken ankĂŒndigt, gibt es Punkte. Gerade dadurch kann man absurd viele Punkte sammeln. Doch man kriegt fĂŒr einige Sachen auch Minuspunkte. Starkes Abbremsen, was zu einer angeblichen Verletzung der Passagiere fĂŒhrt, Überfahren einer roten Ampel, UnfĂ€lle bauen oder Spurwechsel ohne Blinken. Man kann auch an einer Bushaltestelle Passagiere vergessen oder die TĂŒr wĂ€hrend der Fahrt öffnen und es gibt Minuspunkte. Baut man zu viel Mist, wollen von etwa 30 Passagieren nicht etwa 3 an der nĂ€chsten Haltestelle aussteigen, sondern 30, also alle. Entsprechend Ă€ndert sich der Stimmungsbarometer.

Einzige Ausnahme ist da die Beförderung von GefÀngnis-Insassen. Dort gelten die Verkehrsregeln nicht und man wird von der Polizei mit Helikoptern begleitet. Hier hÀlt man auch nicht an Haltestellen, sondern passiert Checkpoints. Die Insassen sind von Beginn an in einer miesen Stimmung, baut man allerdings ein paar UnfÀlle, jubeln diese und die Stimmung geht hoch. Ziemlich dubios.

Einige Routen fĂŒhren durch Schneegebiete, da greift sogar eine Art Fahrphysik. Lenkt man einmal zu krĂ€ftig, schleudert man durch die Gegend und neigt eher dazu, UnfĂ€lle zu bauen. Es gibt allerdings nur Reaktionen, wenn man beim „Schleudergang“ einen Unfall baut oder heftig aufschlĂ€gt. Wenn man das allerdings gut kontrollieren kann, stören sich nicht einmal die stehenden FahrgĂ€ste. Und ja, es gibt stehende FahrgĂ€ste, wenn keine SitzplĂ€tze im Bus frei sind.

Hat man einmal seine Tour beendet, werden die Punkte zusammengezĂ€hlt. Diese ergibt sich aus der Anzahl der beförderten GĂ€ste, der eingehaltenen Zeit, der Boni wĂ€hrend der Fahrt abzĂŒglich der Strafen. Wer eine vierstellige Punktzahl erreicht hat, wird bejubelt und kriegt einen goldenen Stern fĂŒr diese Route verliehen, fĂŒr eine etwas niedrigere Zahl immerhin Applaus und einen blauen Stern. Man mĂŒsste aber außerordentlich viel Mist bauen und einige FahrgĂ€ste vergessen, um ĂŒberhaupt auf negative Punkte insgesamt zu kommen, somit gibt es fĂŒr Pessimisten keinerlei Bedenken, hier irgendwie ans Verlieren zu denken. Selbst wenn man alle FahrgĂ€ste mitnimmt, sich aber nicht so ganz auf die Verkehrsregeln konzentriert, kann man genug Punkte fĂŒr einen blauen Stern kriegen. Richtig schwer klingt das nicht.

Schwerer ist es da lediglich, die FahrgĂ€ste allesamt pĂŒnktlich an ihren Haltestellen ankommen zu lassen. Bemerkt man das ĂŒberempfindliche System, wird man schnell merken, dass man im Laufe der Missionen kaum in der Lage sein wird, ĂŒberhaupt pĂŒnktlich ankommen zu können.

Doch wie kann man das Spiel technisch bewerten? Beim Test erwies es sich als stabil, vor allen Dingen die Ladezeiten sind erstaunlich kurz. Grafisch ist es keine Wucht, allenfalls durchschnittlich, aber nicht allzu unterirdisch. Die erste Version beinhaltete nur eine einzige Third-Person-Perspektive, wodurch man allerdings die vorderen Fahrzeuge bzw. die Haltelinie an einer Ampel nicht erkennen konnte, was vom Spiel allerdings durch eine vorĂŒbergehende Transparenz des Busses gelöst wurde. In der Gold-Version gibt es nun eine Art Frontscheiben-Perspektive, die vom Spiel allerdings als „Fahrerperspektive“ bezeichnet wird. Sonderlich spannend wirkt sie nicht unbedingt, sie umgeht lediglich das Sichtproblem. Steuern kann man die Kamera nicht.

Die akustische AtmosphĂ€re ist sogar recht gut gelungen, bei entsprechenden Umgebungen passt die Soundkulisse. Am Flughafen hört man Flugzeuge, im Industriegebiet das Zischen der Schornsteine und so weiter. Steigen bzw. „beamen“ sich Kinder in den Bus, hört man auch lachende Kinder. Selbst die Busse klingen außerordentlich realistisch. Nur das BlinkergerĂ€usch ist recht eintönig.

Und die KI? Die macht einen eigenartigen Eindruck. Zwar ist der Verkehr in einigen Teilen recht belebt, selbst andere Busse fahren durch die Gegend. Doch es ist ĂŒberaus bemerkenswert, wie alle Verkehrsteilnehmer sehr flott an einer Ampel bremsen können. Alleine die Busse praktizieren diese seltsam flotte Bremstechnik, wo bei uns sich die Passagiere ĂŒber Verletzungen beklagen und panisch rumschreien wĂŒrden. Selbiges beim Anfahren von einer Ampel, selbst gleich schwere Fahrzeuge wie unseres besitzen fabelhafte Beschleunigungswerte, als wĂŒrden die einen leichten Kleinstwagen mit sehr vielen PS fahren. Immerhin wechseln sie hin und wieder realistisch die Spur. Nur halten die anderen Busse nicht an den Bushaltestellen. Und Personen? Die sieht man einzig und allein nur an den Bushaltestellen, weshalb nur die Straßen, aber nicht die Gehwege belebt sind.

Fazit

Im „Busfahrer“ genannten Spiel sind wir ein Busfahrer. Nicht mehr, nicht weniger. Man befördert Personen von A nach B und sammelt durch viele Kleinigkeiten Punkte. Da die ganzen Routen bis auf die Beförderung der GefĂ€ngnis-Insassen kaum Abwechslung bei der Aufgabe bieten, ziehen sich die insgesamt 36 (im Original 30) Routen wie Kaugummi. Man fĂ€hrt zwar durch nett aussehende und abwechslungsreiche Gegenden, doch man tut immer das Gleiche. Und in den Missionen passiert auch nichts Spannendes. FĂŒr den Durchschnittsspieler ist dieses Spiel nur eine eher langweilige Herausforderung, fĂŒr Fans von Simulationen dĂŒrfte das Spiel gerade wegen der SensibilitĂ€t und dem Umfang der Routen schon eher ihren Geschmack betreffen. Der Frust kommt dann eher durch die verschwendete Zeit, nicht durch die spielerischen Macken, die dieses Durchschnittswerk beherbergt.

6 /10

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Bewertung: 5.0/5 (5)