Retro-Check: SuperChix ’76

Acht Damen veranstalten in den 70er Jahren mit ihren flotten Schlitten Rennen quer durch die Welt…oder sagen wir mal auf ganzen vier (!!) Strecken. Mit voll aufgedrehten Boxen mit reinster Disco-Musik gehts direkt ins wirre Rennabenteuer. Fiendish Games veröffentlichte im Jahr 2000 den Nachfolger zu „Hot Chix ‚n‘ Gear Stix“, der nur einige Monate zuvor … weiter

Retro-Check: 3D Pinball Space Cadet

„Pro Pinball: Timeshock“, „3-D Ultra Pinball“,…es existieren im Videospieleuniversum viele Vertreter des Flipper-Genres, doch keines kennt man so gut wie das vorinstallierte Pinball vom Betriebssystem „Windows“ von Microsoft. Allerdings verbirgt sich hinter dem Spiel mehr Geschichte als man denkt. An echte Flippertische kommt bekanntermaßen nichts virtuelles ran, auch wenn es sehr gute Spiele gibt, die … weiter

» computer

Retro-Check: SuperChix ’76

kepu am 5.April 2020 um 21:04:30

Acht Damen veranstalten in den 70er Jahren mit ihren flotten Schlitten Rennen quer durch die Welt…oder sagen wir mal auf ganzen vier (!!) Strecken. Mit voll aufgedrehten Boxen mit reinster Disco-Musik gehts direkt ins wirre Rennabenteuer. Fiendish Games veröffentlichte im Jahr 2000 den Nachfolger zu „Hot Chix ‚n‘ Gear Stix“, der nur einige Monate zuvor auf den Markt kam. Jetzt gibt es zwei Damen und eine Strecke mehr. Ob es das rausreißt, wird sich zeigen.


„Scharfe MĂ€dels! Heiße Schlitten! Abgefahrene Rennstrecken! Funky Sounds!“ – mit diesem Untertitel wirbt der Publisher „Xtend New Media“ fĂŒr das Spiel „SuperChix ’76“. Scharf sind die MĂ€dels in der Tat und die Schlitten versprechen definitiv, heiß zu sein. Zu den abgefahrenen Rennstrecken zĂ€hlen Sherwood Forest, San Francisco, Eilat und Amazonas-Becken, wahnsinnig viele sind es nicht unbedingt. Und „funky Sounds“ gab es in den 70er Jahren mehr als genug.

Zwei Spielmodi stehen zur Auswahl: zum einen gibt es die Rallye, die drei Meisterschaften bereitstellt. Dabei durchlĂ€uft der Spieler zwei Runden auf den Kursen. Zwar gibt es pro Meisterschaft drei Rennen, doch bei vier Strecken ist KreativitĂ€t gefragt, diese zu fĂŒllen. Die Macher haben es einfach gelöst: man fĂ€hrt hin und wieder die gleiche Strecke…nur rĂŒckwĂ€rts. Abgefahren! In der anderen Spielmodi fĂ€hrt man gegen eine Konkurrentin, das Spielgeschehen wird allerdings von vier Polizeistreifen begleitet, genannt „Polizei-Jagd“. Umso mehr Strecken man in der Rallye absolviert hat, umso mehr stehen bei der „Polizei-Jagd“ zur VerfĂŒgung.

FĂŒr das Rennen wĂ€hlt man einen Wagen bzw. eine Dame aus. Zu den Damen gibt es Steckbriefe, die auf interessante Art und Weise ziemlich in die Tiefe gehen, sprich es gibt GrĂ¶ĂŸe, Gewicht und den Gesundheitszustand. Und natĂŒrlich gibt es noch Eigenschaften des jeweiligen Fahrzeugs, dargestellt durch Fahrverhalten, Bremsen, Lenkung und Beschleunigung. Höchstgeschwindigkeit ist da offenbar uninteressant. Hauptsache der Gesundheitszustand ist in Ordnung.

Zu den Strecken gibt es ebenfalls eine kleine Beschreibung und einem Hinweis, wie man dort am besten „verfahren“ sollen. Was allerdings „Lieblings-Braut“ zu bedeuten hat, wissen offenbar nur die Macher selbst. Eventuell sollte man die jeweilige Braut fĂŒr die Strecke auswĂ€hlen? Inmitten der Meisterschaft ist es jedenfalls nicht möglich, jedoch davor. Man kann also drei verschiedene Fahrzeuge fĂŒr die drei Meisterschaften, die es insgesamt gibt, auswĂ€hlen.

Im Renngeschehen wird man bemerken: grafisch sieht es gar nicht mal so schlecht aus fĂŒr 2000er-VerhĂ€ltnisse, lediglich aus der NĂ€he werden die Texturen ziemlich unappetitlich. Unangenehm ist auch das Verhalten der Kontrahenden. Anfangs sieht es so aus, als wĂŒrden diese den Weg durchkreuzen wie immer bei einem Rennspiel. Doch dann kommt das eine Fahrzeug von der Strecke ab, das andere prallt gegen einen Baum. Wollte man sich etwa an den Klischees der Frau am Steuer bedienen? DafĂŒr können die Damen flott aufholen, wenn man nicht aufpasst.

Das Streckendesign ist regelrecht langweilig. Zwar gibt es hin und wieder nett anzusehende Sachen wie WasserfĂ€lle, PfĂŒtzen oder Kisten mit Kollisionsabfrage, sonst fĂ€hrt man die Strecke zu Ende und das war es auch. Da die Konkurrenz keineswegs die hilfreichen AbkĂŒrzungen nutzen möchte, ist das fĂŒr die eigene Platzierung ein großer Vorteil. Macht aber das Spielerlebnis und die Schwierigkeit ein wenig kaputt. Ohnehin kommt man nur voran, weil die anderen irgendwo hĂ€ngen bleiben.

Im Laufe des Rennens wird es viele Rammer geben, die vom Charakter nervig kommentiert werden. Die Sprachausgabe klingt nicht sehr motivierend und man will sie gerne abschalten. Da machen selbst die Pseudo-Dialekte es nicht viel besser. Zumindest beschweren die Damen sich nicht etwa ĂŒber abgebrochene FingernĂ€gel, sondern darĂŒber, dass sie nicht vorbei können. Schaden können die Fahrzeuge auch kriegen, im Spielverlauf ist mir dieser aber nur bei den hinteren Scheinwerfern aufgefallen, die Risse kriegen können und danach nicht mehr funktionieren. Reparaturen nach dem Rennen braucht es nicht und Powerups gibt es genauso wenig.

Alle Rennen haben nur zwei Runden und brauchen dementsprechend nicht lange. Am Ende werden Punkte fĂŒr die jeweilige Platzierung vergeben. Um eine Meisterschaft zu gewinnen, muss man nicht zwingend bei jedem Rennen Erster werden. Lediglich viele Punkte werden benötigt, um am Ende der Meisterschaft auf dem Siegertreppchen stehen zu können.

Und dann gibt es den Modus „Polizei-Jagd“. Laut Packung wird ein „rasante[r] Zweikampf“ versprochen, inklusive „Jungs in Blau [
], die alles tun, um [einen] auszubremsen und zu stoppen“. Da denkt der Spieletester automatisch an die „Need for Speed“-Teile ab 1998, die mit dem Pursuit-Modus tolle Verfolgungsjagden mit der Polizei abgeliefert haben. Je nachdem, wie weit der Fortschritt im Rallye-Modus ist, gibt es nur eine bestimmte Anzahl an Strecken zur Auswahl. Die Strecke kann wahlweise auch rĂŒckwĂ€rts gefahren werden.

Der einzige Unterschied ist: es gibt nur eine wirkliche Gegnerin, gegen die man antreten muss. Sonst gibt es auf dem Kurs vier Polizeiwagen, die entweder versuchen, den Spieler oder die Gegnerin aufzuhalten. Betonung auf „versuchen“. Der Polizei entkommt man ziemlich simpel. Und ist man dennoch umgeben von Polizeiwagen, hat das keinerlei Konsequenzen wie eine Verwarnung oder eine Verhaftung. Sie sind lediglich Störenfriede, die klĂ€glich daran scheitern, ein Fahrzeug außer Gefecht zu setzen. Eingesetzt werden amerikanische Polizeiwagen der 70er Jahre. Auf jeder Strecke.

Das heißt: egal, wo man ist, ĂŒberall lauert die amerikanische Polizei mit vier Wagen auf uns. Sogar im Sherwood Forest (England), wo komischerweise Rechtsverkehr herrscht. Oder in Eilat (Israel). Einzig in San Francisco macht diese Streife Sinn, doch die wird bei einer vollkommen menschenleeren Stadt ohne Straßenbahnen (aber immerhin mit Straßenbahnschienen) die AtmosphĂ€re nicht aufleben können. Da tue ich mir lieber eine Verfolgungsjagd voller Nervenkitzel im 70er-San-Francisco von „Driver“ (1998) an.

Das Spiel hat man nach nicht einmal zwei Stunden durchgespielt, spĂ€testens nach der Zeit hat man auch alles gesehen, was es zu sehen gibt. Nicht mal witzige Videosequenzen, die bei dem Multimedia-Boom zu der Zeit der letzte Schrei waren, sind enthalten. Am Ende ist man „die Superbraut“. Joa…danke auch. Motiviert total. Immerhin ist es wĂ€hrend der AusfĂŒhrung nicht einmal abgestĂŒrzt und lief auf dem Testsystem (Pentium II 350, 256 MB RAM, Voodoo3 3000, Win98SE) nicht ganz ruckelfrei, aber trotzdem spielbar. Erstaunlicherweise verĂ€nderte sich die Framerate nicht großartig, als die Auflösung von 640×480 auf 1024×768 Pixel gewechselt wurde.

Fazit

Was an diesem Spiel das PrĂ€dikat „super“ verdient, ist das Aussehen der Damen. Sonst haben die Macher sich am Klischee „Frau am Steuer, Ungeheuer!“ bedient, denn so fĂ€hrt die Konkurrenz durch die Gegend. Die langweiligen und toten Strecken bieten keinerlei Mehrwert, die Spielmodi sind lĂ€cherlich und die Fahrzeuge steuern sich allesamt recht seltsam. Nur grafisch gibt es kaum Grund zur Beschwerde und die Berieselung mit einer Mischung aus merkwĂŒrdigen Motorensound und 70er-Discomusik ist annehmbar. Sorry MĂ€dels, aber das Spiel ist alles andere als „super“.

VN:F [1.9.22_1171]
Bewertung: 5.0/5 (3)
1 » Retro

Retro-Check: 3D Pinball Space Cadet

kepu am 28.Januar 2019 um 11:01:20

„Pro Pinball: Timeshock“, „3-D Ultra Pinball“,…es existieren im Videospieleuniversum viele Vertreter des Flipper-Genres, doch keines kennt man so gut wie das vorinstallierte Pinball vom Betriebssystem „Windows“ von Microsoft. Allerdings verbirgt sich hinter dem Spiel mehr Geschichte als man denkt.


An echte Flippertische kommt bekanntermaßen nichts virtuelles ran, auch wenn es sehr gute Spiele gibt, die real existierende Tische emulieren können. Bei den Videospielen wird man mit den unterschiedlichsten Varianten davon konfrontiert, von etwas doof bis ziemlich gut. Da denkt man an Spiele wie „Epic Pinball“ (Epic MegaGames, 1993), „3-D Ultra Pinball“ (Sierra, 1995) oder „Pro Pinball: Timeshock!“ (Empire Interactive, 1997).

Und dann gibt es noch „3D Pinball Space Cadet“, welches man wohl am meisten kennen wird. So nannte sich das Spiel, welches man ĂŒber den unscheinbaren Namen „Pinball“ ĂŒber das StartmenĂŒ von sĂ€mtlichen Windows-Betriebssystemen erreichen konnte. Man muss auch zugeben, dass es neben den sonst vom Betriebssystem mitgelieferten Spielen wie „SolitĂ€r“ oder „Minesweeper“ sich sehr von der Masse abhebt.

Die wenigsten kennen die Vorgeschichte. Wenn man sich den Tisch genauer ansieht, wird man unten zwei Namen erkennen: „Cinematronics“ und „Maxis“. Ausgerechnet die Macher von „Sim City“ entpuppen sich bei diesem Pinball-Spiel als die Publisher, wĂ€hrend „Cinematronics“ das Spiel an sich entwickelt hat. Der Entwickler ist im Gegensatz zum Publisher ein ziemlicher unbekannter, das einzige, was diese Firma entwickelt hat, wovon man vielleicht schon mal gehört hat, ist das Golfspiel „Jack Nicklaus 4“ im Jahr 1997. Die Firma wurde letzten Endes von Maxis im Jahr 1996 ĂŒbernommen, die wiederum 1997 von Electronic Arts ĂŒbernommen wurden.

Viele vertreten die Meinung, das Pinball-Spiel existiere erst seit dem 2001 erschienenen Betriebssystem „Windows XP“. Fakt ist, bei „Windows XP“ hatte man das letzte Mal die Möglichkeit, es mit zu installieren. Der Ă€lteste bekannte Prototyp des Spiels erschien am 26. April 1995, hieß intern „Test Table“ und wurde Ă€ußerlich noch „Maelstorm“ genannt. Hier entsprach das Layout bereits dem Endprodukt, wĂ€hrend die Sounds und besonders die Farben noch anders waren. Das fertige Endprodukt erschien mit „Microsoft Plus! fĂŒr Windows 95“ ungefĂ€hr zum Release von „Windows 95“ am 24. August 1995.

Nach einem Splashscreen öffnet sich der Tisch mit dem Namen „3D Pinball Space Cadet“, begleitet von einem Typen in einem Weltraummobil. Ziel ist es, bei einem Science-Fiction-Abenteuer bei einer Raumpatrouille vom Kadetten zum Großadmiral aufzusteigen, indem man bestimmte AuftrĂ€ge erfĂŒllt. Dies erfolgt grĂ¶ĂŸtenteils durch das Treffen von angezeigten Zielen. Spielt man auf diese Art und Weise, sind 8- oder 9-stellige Punktzahlen keine Seltenheit mehr. Die meisten werden aber einfach so „geflippert“ haben.

Ende 1995 bzw. Anfang 1996 erschien „Pinball 95“ (in Amerika „Full Tilt! Pinball), welches nicht nur eine verbesserte Version des „Space Cadet“-Tisches enthielt, sondern noch zwei weitere mit dem Namen „Skulduggery“ und „Dragon’s Keep“. Bei „Skulduggery“ sucht man nach Peg Legs Beute, quasi nach einem Piratenschatz, wofĂŒr man verschiedene Spielmodi erfĂŒllt oder eine Schatzkarte zusammenstellt. Bei „Dragon’s Keep“ muss man einen Drachen bezwingen, indem man verschiedene Wagnisse erfĂŒllt oder das Schwert in den Drachen rammt. Der spielbarste Tisch wird aber weiterhin der „Space Cadet“-Tisch bleiben.

Besonders bei dem Tisch wird man einige Verbesserungen merken, so sind einige VorgĂ€nge wie das Auftanken des Kraftstoffs vom Raumschiff, welches an einigen Stellen möglich ist (und sich durch die Meldung „Schiff aufgetankt“ bemerkbar macht), flĂŒssiger, das Abschießen des Balls zu Beginn ist gefĂŒhlt flotter, aber das auffĂ€lligste ist die höhere Auflösung des Tischs. Alle Tische haben eine maximale Auflösung von 1024×768 Pixel. Aus heutiger Sicht wirken die Tische damit wie ein HD-Remake des Pinball-Spiels. Die von Microsoft beigelegte eingeschrĂ€nkte Version wurde auf die niedrigste mit 640×480 Pixel belassen.

Das eingeschrĂ€nkte „3D Pinball Space Cadet“ war bei den Windows-Versionen NT4, 2000, ME und XP mit dabei, sofern man alle Spiele mit installieren wollte. Microsoft legte bei „Windows 98“ eine Anleitung bei, wie man sich das Spiel beschaffen kann, hierbei musste allerdings eine Korrektur ĂŒbers Internet nachgeliefert werden. Seit Windows Vista ist es nicht mehr mit dabei, man kann das Spiel dennoch problemlos im Intenet auffinden und auf neueren Systemen spielen, selbst unter 64-bit.

Doch das erweiterte „Pinball 95“ ist verdammt schwer aufzutreiben, selbst ĂŒber Verkaufsportale wie eBay hat man fast keine Chance, ein Exemplar dieses Spiels zu ergattern. Die amerikanische Version „Full Tilt! Pinball“ hingegen kriegt man relativ leicht im Internet, ganz im Gegensatz zum Retail-Exemplar. Maxis veröffentlichte 1997 ein so genanntes „Family Pack“, wo bei den 4 Spielen auch „Pinball 95“ enthalten ist.


Das Spiel hinter dem unscheinbaren Namen „Pinball“ ist inzwischen zum Kult mutiert. Jeder kann sich an den langweiligen Computerunterricht erinnern, wo man dieses Flipperspiel mit Pseudo-3D-Grafik, abgespacter Optik und einem Wiederspiel-Faktor fĂŒr das Totschlagen der Zeit bis zum Erbrechen gespielt hat. Aber auch ein Blick auf die verbesserte Variante und den beiden anderen Tischen lohnt sich, auch wenn diese von der Schwierigkeit her höher sind, aber eine Ă€hnlich gute Abwechslung versprechen. Es gibt zwar deutlich bessere Pinball-Spiele, betrachtet man aber die sonst so mitgelieferten Spiele von Windows (Reversi, SolitĂ€r, Minesweeper, CANDY CRUSH!!,…), ist es eine willkommene Abwechslung.

VN:F [1.9.22_1171]
Bewertung: 5.0/5 (5)
2 » Retro