CrossCode – MMORPG und doch Singleplayer

In Japan ist vor einiger Zeit ein bestimmtes Genre entstanden: Isekai. Die Fantasie, unsere Welt zu verlassen und ganz in eine Fantasywelt einzutauchen. Die ersten Exemplare dieser Art sind vermutlich .hack, Log Horizon und Sword Art Online. Heute gibt es solche Geschichten wie Sand am Meer. Ob ein NEET mit einer Idioten-Gruppe gegen DĂ€monenfĂŒrsten kĂ€mpft … weiter

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CrossCode – MMORPG und doch Singleplayer

Reddok am 10.MĂ€rz 2020 um 14:03:22

In Japan ist vor einiger Zeit ein bestimmtes Genre entstanden: Isekai. Die Fantasie, unsere Welt zu verlassen und ganz in eine Fantasywelt einzutauchen. Die ersten Exemplare dieser Art sind vermutlich .hack, Log Horizon und Sword Art Online. Heute gibt es solche Geschichten wie Sand am Meer. Ob ein NEET mit einer Idioten-Gruppe gegen DĂ€monenfĂŒrsten kĂ€mpft (Konosuba), ein Lich, der eine Fantasywelt brutal erobert (Overlord), oder ein Psychopath, der sich mit Gott anlegt, welcher ihn dann in eine Fantasyversion des ersten Weltkriegs versetzt (Saga of Tanya the Evil) – es gibt vermutlich fĂŒr fast jeden etwas.

CrossCode? CrossWorlds?

Warum erzĂ€hl ich das? Weil CrossCode im Grunde eine spielbare Version dieser Art von Geschichte ist. Allerdings mit ein paar interessante Twists. Das MMO von CrossCode heißt CrossWorlds und CrossCode ist die Technologie, mit der dieses ermöglicht wurde, was auch gleichzeitig der Name des echten Spiels ist.
Klingt vielleicht etwas verwirrend. Also: CrossCode = Name vom Spiel. CrossWorld =  simuliertes MMO, welches eine zentrale Rolle im Spiel einnimmt.

Das eigentliche Spiel geht ausserhalb von CrossWorlds los, wo unsere Protagonistin Lea stumm und ohne Erinnerungen auf einem Schiff aufwacht, der MS. Solar. Dieses schafft Personal und VersorgungsgĂŒter zum MMO. Warte, was? Ja, CrossWorlds spielt in einer echten Welt, genauer gesagt auf einem echten Mond, den sich die Spielefirma Instatainment extra dafĂŒr gekauft hat. Avatare, NPCs und Items bestehen aus einem Stoff namens Instantmaterie. In echt wĂŒrde das wohl RL-Grafik bedeuten, aber wir mĂŒssen uns „leider“ mit der Retro-Optik begnĂŒgen.
Der Großteil des Spiels, wie FĂ€higkeiten und Angriffe geschehen aber ausschließlich virtuell, auf einem Server – damit ein Mensch also vor Ort – außer rumgefuchtel – etwas sehen kann, muss dieser einen AR-Visor tragen.

Da CrossWorlds ein MMORPG ist, gibt es fĂŒnf Klassen: Triblade, Quadroguard, Pentafist, Hexacast und Spheromancer. Normalerweise wĂŒrde sich ein Spieler diese aussuchen, doch bei Lea ist das ganze schon in Sack und TĂŒten, genau wie ihre Hörner (zu ihrem Leidwesen).  Warum? Das wĂ€re ein Spoiler, denn das Hauptziel des Spiels ist die Frage nach Lea’s IdentitĂ€t. Alles was wir am Anfang wissen: Sie ist ein Spheromancer, bewaffnet mit VRP’S. Virtual Ricochet Projectiles. Oder anders ausgedrĂŒckt: BĂ€lle. Es sind virtuelle BĂ€lle. Diese Stellen das Kern-Feature von CrossCode dar, fast alles wird damit gemacht. Man kann sie im Dauerfeuer werfen oder aufladen und so von den WĂ€nden abprallen lassen – mehr dazu im Gameplay-Teil. Aber keine Bange, Gegner lassen sich auch im Nahkampf verdreschen – was hauptsĂ€chlich eine Berufung von Pentafists, wie Emilie, aka Emilienator, ist. Diese stĂŒrmische, französische Frohnatur treffen wir am Anfang unseres Abenteuers und wird schnell Lea’s beste Freundin. Selbst Lea’s Stummheit aufgrund fehlender Wörter, die nach und nach per Hand einprogrammiert werden, ist kein Hindernis. Diese Art der Kommunikation ist zwar sehr witzig und spaßig, da Lea auch mit begrenztem Wortschatz sehr ausdrucksstark ist; aber je lĂ€nger unser Abenteuer geht, um so mehr wĂŒnscht man sich, dass sich Lea Emelie anvertrauen könnte. Dies fĂŒhrt zu einer der befriedigendsten Szenen in einem Spiel, die ich erlebt habe.

Im Lauf des Spiels schließt sich Lea einer Gilde an.

Welt, Quests, KĂ€mpfe, RĂ€tsel und Sonic the Hedgehog

Ich denke, Screenshots von Crosscode sind wenig aussagekrĂ€ftig, denn so sieht es aus, wie ein beliebiges RPG-Maker Spiel. In Bewegung macht das Spiel einen ganz anderen Eindruck! Es ist um einiges detaillierter als Ă€hnliche Spiele und fĂŒhlt sich deswegen fast immer wie ein echtes MMO an.

Fast. Die Dungeons sind nĂ€mlich nur Singleplayer und andere Spieler wiederholen ihren Text stur. Aber sonst? StĂ€dte sind lebendig, da NPCs sich zahlreich an Schnellreisepunkte teleportieren und von da aus in verschiedene Richtungen laufen – oder in der Wildnis auf der Straße an respawnenden Monstern vorbei rennen, -klettern und -springen.

Apropos springen und klettern: Das funktioniert so Ă€hnlich wie in Assassin’s Creed. Man lĂ€uft einfach drauf zu und der Rest passiert automatisch, solange der Abstand und die Höhe stimmt. Letzteres ist manchmal durch die 2D-Optik schwer einzuschĂ€tzen. Wenn man zu einem halbhohen Hindernis wie einem Zaun, einem Hocker, einer Kiste oder einem Tresen lĂ€uft, springt man darauf und kann von da aus dann auf Objekte mit der gleichen Höhe springen oder noch höher klettern. Monster und Begleiter bekommen das ĂŒberraschenderweise auch gut hin, selbst wenn sie ab und an mal in den Abgrund, oder ins Wasser segeln (Instantmatiere wird bei der BerĂŒhrung mit Wasser zerstört).

Die actionreichen KĂ€mpfe und Gruppen funktionieren auch, wie man es sich in einem MMO vorstellt: Sobald man eine Gruppe (aus max. drei Leuten) bildet, werden die Monster stĂ€rker. Besiegte Monster geben Gold, EP und HandelsgegenstĂ€nde – sind aber anspruchsvoller als in echten MMO’s. Selbst die ersten Monster, welche auf den Namen Igöll hören, benötigen eine Strategie…. Ohne diese kommt man nicht weit. Übrigens ist ihr Chef blau und super schnell.

Geschwindigkeit ist etwas, was auch dem Spieler im Kampf helfen kann: Je schneller viele Gegner plattgemacht werden, umso eher steigt euer Rang, was Boni auf Geld, XP und Dropraten gibt. Sind aber zu große Pausen zwischen den Gefechten, muss man wieder von vorn anfangen. Man sollte es jedoch nicht ĂŒbertreiben, denn die HP regenerieren sich nur außerhalb des Kampfes – wenn man keine Sandwiches(=HeiltrĂ€nke) benutzt. Diese Mechanik ist besonders im Endgame wichtig, wenn man sich ein paar gute Items gegen Edelsteine besorgen möchte.

Das Towerdefense-Minigame kann sehr unĂŒbersichtlich werden. Selber kĂ€mpfen funktioniert auch, dafĂŒr mĂŒssen die feindlichen Schilder von TĂŒrmen beseitigt werden… Ansonsten tötet man sich selber.

Die KĂ€mpfe fĂŒhlen sich gut an und die FĂ€higkeiten knallen ordentlich, dennoch haben RĂ€tsel gefĂŒhlt eine wichtigere Rolle in CrossCode – vor allem in Dungeons. Diese sind ewig lang und verlangen RĂ€tselmuffeln wie mir so einiges ab. Und doch bin ich immer freiwillig fĂŒr mehr zurĂŒckgekommen! Im Grunde geht es meist darum, seine VRPs zu werfen, die mit der Zeit auch unterschiedliche Eigenschaften annehmen können und somit anders mit ihrer Umgebung interagieren. Klingt recht simpel, aber die RĂ€tsel sind teilweise sehr komplex und verlangen ab und zu gute Koordination unter Zeitdruck. Außerdem gibt es in Dungeons hĂ€ufiger KĂ€mpfe, die mit RĂ€tselmechaniken verbunden sind.

Egal ob KĂ€mpfe oder RĂ€tsel: Die KomplexitĂ€t steigt mit jedem Element an, das man in einem Dungeon bekommt. Es gibt insgesamt vier: Feuer, KĂ€lte, Blitz und Welle. Jedes einzelne hat seinen eigenen FĂ€higkeitsbaum (plus ein neutraler) und seine eigenen Auswirkungen und FĂ€higkeiten, die sich Ă€ndern, je nachdem, wie man geskillt hat. Es gibt 4 mögliche FĂ€higkeiten fĂŒr Nahkampf, Fernkampf, Blocken und Ausweichen. FĂŒr jede Variante gibt es wiederum 2 FĂ€higkeiten pro Element in mehreren Stufen. Gleichzeitig Ă€ndern sich noch beim Wechsel der Elemente die Attribute von Lea. GlĂŒcklicherweise kann man die Zeit anhalten, um die Gegner genauer unter die Lupe zu nehmen. FĂŒr RĂ€tsel heißt das, man muss – wĂ€hrend ein VRP durch die Gegend fliegt – sich mit Welle herum teleportieren, mit Blitz Magneten aufladen, mit KĂ€lte WassersĂ€ulen zu Eis erstarren lassen oder sie mit Feuer verdampfen… Und das sind nur die Grundlagen.

Tja, aber was wĂ€re ein MMORPG ohne Quests? Ich muss gestehen, bei RPGs (und besonders bei MMORPGs) mache ich selten alle Nebenquests. Bei CrossCode war das anders. Sie sind zwar sehr zahlreich – ich vermute Crosscode ist eins der Umfangreichsten Indiespiele die es gibt – aber bleiben trotzdem abwechslungsreich. Ok, ein zwei klassische MMO-Quests gibt’s. Hier mal ein paar gute Beispiele:

 

  • Mafia-Papageien haben Geiseln genommen; Lea soll als UnterhĂ€ndler fungieren. Durch ihren begrenzten Wortschatz geht das aber ziemlich in die Hose und die Geiseln mĂŒssen mit Gewalt befreit werden.
  • Ein GrĂ¶ĂŸenwahnsinniger möchte mithilfe von Bergziegen die Welt erobern. Das mĂŒssen wir natĂŒrlich verhindern, aber vorher gibt’s eine Verfolgungsjagd auf den DĂ€chern der Stadt.
  • Praktikanten haben ein verstecktes Gebiet gebaut, welches normalerweise unzugĂ€nglich ist. GlĂŒcklicherweise bekommt Lea UnterstĂŒtzung von jemandem, der sich mit Bugs auskennt.
  • Ein Hacker hat sich ins Spiel eingeschleust. Lea muss Hinweise auf seinen Aufenthaltsort sammeln und ihn austricksen.

Die „Dialoge“ sind ein Highlight von CrossCode.

Neben den normalen Quests gibt es aber auch noch Elite-Quests. Diese sind, wie der Name schon vermuten lĂ€sst, besonders schwer, und werden auch durch farmen und aufleveln kaum einfacher – dafĂŒr gibts dann glĂŒcklicherweise eine bessere Belohnung.

Nachdem man CrossWorlds durchgespielt hat (zumindest soweit wie es möglich ist, es ist im Early Access), schaltet man die Hauptstadt frei, wo man sich in der Arena austoben , neue Shops besuchen und alte Gebiete schwieriger machen kann. FĂŒr letzteres braucht man spezielle Items, die in den betreffenden Gebieten versteckt sind.

Spielt CrossCode!

CrossCode ist eines der besten Indiespiele ĂŒberhaupt. Die Geschichte um den Kampf fĂŒr Lea’s Zukunft und Vergangenheit ist cool, spannend und bietet viele tolle Charaktere. Das Gameplay ist absolut flĂŒssig; die KĂ€mpfe sind schnell, spaßig und wuchtig. Bei bei der Anzahl von RĂ€tseln hat man aber ein bisschen ĂŒbertrieben, jedoch: Selbst ich als RĂ€tselmuffel kann damit leben. Der Gameplay-Loop ist gewissermaßen ein bisschen repetitiv, aber immerhin sind die Quests abwechslungsreich! Außerdem haben mir die Anspielungen auf Gaming-Eigenheiten, wie Early Access, hĂ€ufiger ein Schmunzeln ins Gesicht getrieben.

Es dauert nicht mehr lange, dann wird der Epilog samt letzten Dungeon veröffentlicht , was das ohnehin sehr umfangreiche Spiel nochmal erweitert – da warte ich schon sehnsĂŒchtig drauf.

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Bewertung: 5.0/5 (1)