RĂŒckblick: Der Sezessionskrieg in Videospielen

Der amerikanische BĂŒrgerkrieg, auch Sezessionskrieg, genannt war der zweite und letzte Krieg der auf dem Territorium der vereinigten Staaten von Amerika ausgetragen wurde. Allgemein bekannt ist er vor allem bei uns in Europa zwischen dem Konflikt der Industriellen Nordstaaten mit den LĂ€ndlich geprĂ€gten SĂŒdstaaten um die Frage der Sklaverei, welche in den SĂŒdstaaten um Virginia … weiter

Victoria 2: Test, Review

Neben seinem Strategie Schwergewichten Europa Universalis und Hearts of Iron prĂ€sentieren die Schwedischen Entwickler von Paradox mit Victoria 2 eine Strategie Simulation die das Zeitalter der Industrialisierung bis zum Ende des ersten Weltkrieges behandelt. Wie von dem Studio gewohnt sind ausnahmslos alle Nationen des damaligen Weltbildes spielbar. Über das Britische Imperium zu den Sibirischen Steppen … weiter

» CSA

RĂŒckblick: Der Sezessionskrieg in Videospielen

Dominik am 14.Oktober 2017 um 16:10:31

Der amerikanische BĂŒrgerkrieg, auch Sezessionskrieg, genannt war der zweite und letzte Krieg der auf dem Territorium der vereinigten Staaten von Amerika ausgetragen wurde. Allgemein bekannt ist er vor allem bei uns in Europa zwischen dem Konflikt der Industriellen Nordstaaten mit den LĂ€ndlich geprĂ€gten SĂŒdstaaten um die Frage der Sklaverei, welche in den SĂŒdstaaten um Virginia eine bedeutende wirtschaftliche Rolle spielte. TatsĂ€chlich aber tobte dieser Gesellschaftliche Konflikt schon zu frĂŒheren Zeiten. WĂ€hrend des UnabhĂ€ngigkeitskrieges gegen das britische Königreich waren es vor allem die Provinzen um Boston und New York die auf einen eigenen Staat pochten wĂ€hrend die sĂŒdlichen Gegenden am liebsten im Vereinigten Königreich verbleiben wollten. Mit der Kolonialisierung der WestkĂŒste um Kalifornien, nach dem Krieg gegen Mexiko, die vor allem zu den Nordstaaten zĂ€hlten erhielten diese mehr Stimmrechte im Parlament was ein Ungleichgewicht verursachte da die SĂŒdstaaten bisher mit dem gleichen Stimmanteil wie die Staaten im Norden vertreten waren. Schließlich eskalierte die Situation als die Regierung unter Abraham Lincoln an die Macht kam und die Sklaverei des SĂŒdens in Frage stellte. Mit der Belagerung des Nördlichen Forts Sumters durch Milizen der SĂŒdstaaten begann die offene Rebellion dieser. Nacheinander erklĂ€rten die Staaten Virginia, Texas, Mississippi, Alabama, Florida, North Carolina, Arkansas, Tennessee und Louisiana ihre UnabhĂ€ngigkeit gegenĂŒber der USA und grĂŒndeten den Staatenbund CSA ( Konföderierte Staaten von Amerika ). So Begann am 12. April 1861 der amerikanische BĂŒrgerkrieg. Jetzt habe ich aber genug von dieser Geschichtsstunde geredet es wird Zeit sich unserem eigentlichen Thema zu widmen, nĂ€mlich den Retro Klassikern welche dieses historische Ereignis aufgreifen. Zugegeben es gibt nicht viele Spiele welche den Sezessionskrieg behandeln. Meist sind in den neueren Spielen der BĂŒrgerkrieg eher ein Nebenthema und er wird nur oberflĂ€chlich angekratzt. Bestes Beispiel dafĂŒr dĂŒrfte Darkest of Days oder Victoria 2 sowie Call of Juarez sein. Aber es gab auch einige Spiele die das Thema mit Humor oder tieferen gameplay erzĂ€hlten, kommen wir nun zu diesen.

Den Anfang macht der französische Publisher Infogrames mit seinem 1989 veröffentlichten Spiel North & South. Das Spiel basiert auf der belgischen Comicreihe „die blauen Boys“ und ist grafisch dementsprechend in einem Cartoon Pixel Look gehalten. Als Spieler können wir die Unionisten sowie die Konföderation steuern. Das Spiel gilt allgemein hin als Vorreiter der Echtzeitstrategie Spiele. Leider ist ein Bau System oder die Verwaltung von Rohstoffen nicht im Gameplay enthalten. Stattdessen steuern wir unsere Armeen ĂŒber eine Karte von Amerikas OstkĂŒste. Die Truppen werden in den TeilstreitkrĂ€ften Infanterie, Kavallerie und Artillerie aufgeteilt. Die Gefechte laufen ĂŒber eine zwei dimensionale Karte ab. Beide Armeen starten auf unterschiedlichen Seiten. Als Spieler können wir die unterschiedlichen Regimenter mit dem Joystick anwĂ€hlen. Ziel der Gefechte ist es den gegnerischen Angriffen auszuweichen und diese zu Kontern. WĂ€hrend Kavallerie und Artillerie nur SeitwĂ€rts und Horizontal bewegt werden können, können die Fußtruppen in alle Himmelsrichtungen gesteuert werden. Mittels einer Zeitsteuerung kann die Geschwindigkeit verlangsamt oder beschleunigt werden. Das Spiel erschien Anfangs fĂŒr C64, Amiga und Atari ST. SpĂ€ter wurden auch Versionen fĂŒr NES und PC veröffentlicht. Aufgrund der eingeschrĂ€nkten FĂ€higkeiten der letzten Systeme musste die grafische Darstellung sowie der Sound deutlich reduziert werden.

Es dauerte noch eine ganze Weile bis das nĂ€chste Spiel welches das Szenario des amerikanischen BĂŒrgerkrieges aufgriff erschien. Im Jahr 1997 veröffentlichte der Publisher EA Sid Meier’s Gettysburg!. Das Spiel wurde vom Entwicklerstudio Firaxis Games produziert und spielte wĂ€hrend der Gettysburg Offensive. Als Kommandanten stehen uns der berĂŒhmte SĂŒdstaaten General Robert E. Lee sowie der Nordstaaten Oberkommandierende George G. Meade zur VerfĂŒgung. Im Gegensatz zu einem rundenbasierten Spiel muss der Spieler einige schnelle Entscheidungen treffen und dementsprechend reagieren. Befehle werden gegeben, Einheiten bewegen sich und dann geht es in die nĂ€chste Situation. Durch VergrĂ¶ĂŸern und Verkleinern der Karte können Spieler kleine Gefechte zwischen den Brigaden beobachten oder einen vollstĂ€ndigen Überblick ĂŒber das Schlachtfeld erhalten und feststellen, wo sich KrĂ€fte bewegen. Es ist jedoch zu beachten, dass nur feindliche Einheiten mit klarer Sicht sichtbar sind. Spieler sollten sich daher nicht zu sehr auf die vollstĂ€ndige Karte verlassen, außer sie als FĂŒhrung fĂŒr ihre eigenen KrĂ€fte zu benutzen („Hey, Ich sehe keine Yankees, ich muss gewonnen haben! „). Diese beiden Elemente, die schnellen Entscheidungen und die Tatsache, dass die KrĂ€fte des Gegners versteckt werden können, machen Sid Meiers Gettysburg! ziemlich herausfordernd. Die Spieler haben keine Zeit, ernsthaft ĂŒber die Richtung der einzelnen Einheiten nachzudenken, und das macht das Spiel schneller und in vielerlei Hinsicht einfacher zu spielen, wĂ€hrend es gleichzeitig realistischer wird. Schließlich werden Schlachten wie Gettysburg gewonnen und in Sekundenbruchteilen verloren. Die Fortschritte in diesem Spiel sind, dass Kriegsspiele fĂŒr diejenigen zugĂ€nglich gemacht werden sollten, die weder VerstĂ€ndnis noch Geduld fĂŒr Bewegungspunkte, Feuer, Sichtweite und all die anderen Dinge haben, die drehbasierte Spiele realistischer machen als das Durchschnitt Echtzeit-Strategiespiel. Das Endergebnis ist, dass Sid Meier Gettysburg! einfach ist , grafisch heute noch akzeptabel aussieht und jede Menge Spaß macht.

 

Etwa im selben Jahr erschien unter dem Titel Civil War Generals 2 ein weiteres Strategiespiel welches im BĂŒrgerkrieg spielte. Am 31. Oktober 1997 veröffentlichte der Publisher Sierra Entertainment das Spiel fĂŒr den Windows Pc. Wieder toben die KĂ€mpfe der Jungs in Blau und Grau an der AtlantikkĂŒste sowie im Mississippi Valley. Als Kampagne stehen uns dabei als Spieler mehrere Auswahlmöglichkeiten zur VerfĂŒgung. So können wir eine individuelle Schlacht, eine Minikampagne oder den gesamten Krieg nachspielen. Was vollkommen neu war, war der Terrain Editor. Mit diesem konnte man ein eigenes Schlachtfeld entwerfen und auf diesem dann entweder die Nord- oder SĂŒdstaaten spielen. Was fĂŒr das Thema ebenfalls völlig neu seiner Zeit war, war der neue Mehrspielermodus in welchen wir als Spieler per lokalen Netzwerk oder Internet gegeneinander antreten konnten. Der Schutz des Spiele-Copyrights war ebenfalls recht originell: Der Spieler musste ein VergrĂ¶ĂŸerungsglas (im Lieferumfang enthalten) verwenden, um einen Fingerabdruck auf dem Spielbildschirm zu identifizieren.

Ein weiterer Titel der Strategiegeschichte der jedoch nicht nur den Konflikt des Sezessionskrieges ablichtet ist das im Jahre 2003 veröffentlichte Echtzeit- Globalstrategiespiel Victoria- An Empire Under The Sun. FĂŒr Paradox Spiele Typisch findet das Spielgeschehen um den ganzen Globus in den Endjahren des 18. Jahrhunderts statt. Unser Augenmerk richtet sich hier insbesondere auf die vereinigten Staaten von Amerika. Etwa zum Start des Jahres 1861 spaltet sich das Land in die CSA und USA. Wir als Spieler haben nun die freie Entscheidung welchen der beiden Fraktionen wir uns anschließen und den BĂŒrgerkrieg fĂŒhren. Da in Victoria Schlachten nur eine Nebenrolle spielen ist dieses Spiel generell anders als die vorherigen genannten Titel. So spielen Wirtschaftskraft, Infrastruktur und Bevölkerungsdichte eine entscheidende Rolle um einen Krieg erfolgreich fĂŒhren zu können. Dementsprechend benachteiligt ist die CSA in diesen wichtigen Faktoren. Lediglich die militĂ€rische FĂŒhrungskraft fĂ€llt hier zu Gunsten der SĂŒdstaaten aus. Mit Robert E. Lee als General alleine kann man jedoch keinen erfolgreichen Feldzug fĂŒhren wenn die Wirtschaft hinter den Linien am SchwĂ€cheln ist. Und so muss man vor allem als CSA Spieler darauf hoffen, dass aufgrund des Ausfalls von Baumwolle Lieferungen, die WestmĂ€chte Frankreich und Großbritannien in den Krieg intervenieren. Sollten wir als Spieler das GlĂŒck haben mit den CSA einen Eroberungskrieg durch die USA zu bestehen stehen wichtige politische und soziale Reformen an um aus den Landwirtschaftlich geprĂ€gten Staat eine Industrienation zu machen um letztlich zur Großmacht aufzusteigen. Da das Spiel den Sezessionskrieg nur in einem Teilaspekt ausfĂŒhrt ist dieses Spiel nicht als reines BĂŒrgerkriegsspiel zu betrachten. Der umfassende Spielumfang lĂ€sst jedoch die Option offen die CSA, Historisch unkorrekt, bis zum Beginn der 1930er Jahre zu spielen.

Im Jahr 2006 erschien das dritte Addon zu American Conquest, Divided Nation, in dem man neben den USA und CSA auch Mexiko und Texas spielen kann. Das Spiel war auch ohne das Hauptspiel spielbar und legte den Fokus nicht nur auf den amerikanischen BĂŒrgerkrieg. So war auch der Texanische UnabhĂ€ngigkeitskrieg gegen Mexiko ein großes Thema. In dem Spiel konnte man in Isometrischer 2D Perspektive bis zu 16.000 Einheiten auf dem Schlachtfeld kontrollieren. Im Gegensatz zum Hauptspiel gab es keinen Basen Bau und es wurde mehr auf Schlachten im Kampagnenmodus gesetzt. Die Moral der Truppen spielte eine wesentliche Rolle in den Gefechten. Neu im Genre des Sezessionskrieges war auch das Schlachtfeld auf dem Meer. So konnte man als Spieler die CSA oder USA Marine spielen. Auch wenn es im historischen Bezug eher unkorrekt war das die Konföderierten mehr als zwei Panzerschiffe besaßen. Das Spiel konnte mit seinen tausenden Soldaten und unterschiedlichen Einheiten ĂŒberzeugen und machte die Schlacht um Gettysburg so authentisch wie kein BĂŒrgerkriegsspiel zuvor. American Conquest Divided Nation wurde fĂŒr Windows PC veröffentlicht und hatte zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung eher moderate Systemvoraussetzungen. So konnte man bereits mit einem Pentium 2 mit 450Mhz und 64MB RAM das Spiel in der Mindestauflösung spielen.

Etwa im gleichen Jahr veröffentlichte der Schwedische Publisher Paradox Interactive sein Strategiespiel zum BĂŒrgerkrieg. Mit Take Command: Second Manassas hatten die Entwickler um das Studio MadMinute Games das erste Strategiespiel des Sezessionskrieges veröffentlicht das mit einer 3D Karte aufwartet. Ähnlich wie Divided Nation wird hier auf einen Aufbau einer Basis verzichtet. Man muss versuchen mit seinen Truppen, die von Anfang an zur VerfĂŒgung stehen, auszukommen. Hier ist Strategie gefragt, um mit den vorhandenen Truppen den Sieg zu erringen. Dazu mĂŒssen diese wohl ĂŒberlegt eingesetzt werden. Erschwerend kam ein bisher nicht gekannter Realismus hinzu. Alle Befehlshaber auf dem Feld hatten bestimmte FĂŒhrungsattribute. Dies konnte dazu fĂŒhren, das ein vorsichtiger Kommandant von uns den Befehl zum Angriff bekommt, aber leider nicht vorrĂŒckt, sondern erstmal abwartet und zaudert, so wie es in Wirklichkeit auch vorgekommen ist. Man kann auf mehreren Ebenen eine Schlacht fĂŒhren, Armee, Korps, Division oder Brigade. Als Brigadekommandant unterstehen uns 4-6 Regimentern, die direkt an der Front kĂ€mpfen. Alle anderen Einheiten steuert die KI. Als Armeebefehlshaber kĂŒmmern wir uns mehr um die Strategie und nicht um die einzelnen Einheiten. Wir mĂŒssen dabei das Zusammenspiel der Truppengattungen wie Infanterie, Artillerie und Kavallerie genau aufeinander abstimmen und nach deren StĂ€rken und SchwĂ€chen einsetzen. Take Command: Second Manassas bot damals einen der Detailliertesten Einblicke in Echtzeitgefechte. Störend waren dennoch die Einheiten welche nicht in 3D modelliert wurden sondern als 2D Sprites eingesetzt wurden.

Mit dem Spiel Darkest of Days des amerikanischen Entwicklers 8monkey Labs gab es einen der ersten Shooter der im BĂŒrgerkrieg von Amerika spielte. Leider war der Sezessionskrieg nicht das Kern Thema das Spieles sondern nur ein Teilabschnitt in einer von Zeitreisen dominierten Geschichte. Mit klassischen Revolvern und Vorderlader Gewehren ging es auf Seiten der USA gegen die CSA Truppen. Der kurze Abschnitt welcher im Civil War spielte behandelte inhaltlich die Schlacht von Antietam. Das Spiel erschien am 8. September 2009 fĂŒr PC, MAC OS X und Xbox 360.

 

VN:F [1.9.22_1171]
Bewertung: 5.0/5 (7)

Victoria 2: Test, Review

Dominik am 12.MĂ€rz 2013 um 17:03:35

Neben seinem Strategie Schwergewichten Europa Universalis und Hearts of Iron prĂ€sentieren die Schwedischen Entwickler von Paradox mit Victoria 2 eine Strategie Simulation die das Zeitalter der Industrialisierung bis zum Ende des ersten Weltkrieges behandelt. Wie von dem Studio gewohnt sind ausnahmslos alle Nationen des damaligen Weltbildes spielbar. Über das Britische Imperium zu den Sibirischen Steppen des Russischen Zarenreiches, von der WĂŒste Teherans bis zu dem mit WĂ€ldern bedeckten Lothringen sind alle Völker spielbar. NatĂŒrlich zĂ€hlt neben MilitĂ€rischer StĂ€rke, guter Infrastruktur und Zufriedenheit der unterschiedlichen Bevölkerungsschichten auch der Aufschwung von Wirtschaft und Forschung. Denn ohne diese beiden letzten Elemente ist euere Nation nur eine unter vielen aufstrebenden Staaten der Westlichen und Östlichen HemisphĂ€re. Ob sich ein Einstieg mit dem kaiserlichen Japan wohl eher lohnt als gleich mit den Franzosen die WĂŒsten Afrikas zu kolonisieren klĂ€rt unser AusfĂŒhrlicher Test.

FĂŒr welche Nation soll ich mich entscheiden? Diese Frage dĂŒrfte sich wohl jeder stellen der beim Anblick der Weltkarte, im StartmenĂŒ, ĂŒber die Kontinente mit dem Mauszeiger schwebt und dabei Volksentscheidende Themen wie zivilisierte Nationen und Teilverwestliche LĂ€nder vorfindet. Generell macht gerade dieser Umstand den Unterschied aus. WĂ€hrend Europa und große Teile Amerikas bereits zu Spielbeginn mit dem Forschen von Hinterladern, FließbĂ€ndern und Dampfschiffen beginnen können und ganz nebenbei Sozial und Politikreformen einleiten, kriechen Nationen wie Ägypten, China oder Afrika noch am unteren Ende ihrer Industrialisierung und mĂŒssen AuslĂ€ndische Investoren und MilitĂ€rberater ins Land einladen um wenigstens einen Teil ihrer maroden Volkswirtschaft retten zu können. Denn ohne den Bau von Fabriken und des damit einher gehenden Wachstums können keine Armeen und Provinzen ausgebaut werden. WĂ€hrend Frankreich nationale Schwerpunkte wie etwa die Förderung von Kapitalisten und Facharbeitern voran treibt benötigen Völker wie jene des nahen Ostens vor allem Geistliche Wissenskraft um Forschungspunkte fĂŒr ihre Verwestlichung zu ergattern. Um den Bau von Fabrikanlagen erstmal zu ermöglichen bedarf es einer Umsumme an Geld und Material, die wir nur mit Steuererhöhungen und Regulierung der Zölle erreichen können. Als nĂ€chsten Schritt sollte gut ĂŒberlegt werden wo das geplante Wirtschaftswunder ĂŒberhaupt erstellt werden soll. Kolonien eignen sich hierzu ĂŒberhaupt nicht da ihre Bevölkerungen nicht in der Lage sein werden die mit 10.000 ArbeitsplĂ€tze benötigte Raffinerie zu besetzen. Im Fall von Frankreich direkt im Mutterland und in Regionen mit hoher Population platzieren. Der letzte Schritt besteht nun lediglich darin eine in Planung befindliche Fabrik der erforderlichen Ressourcen anzupassen. Sind diese im eigenen Land nicht vorhanden sollte man auf den Bau verzichten und sich eine geeignetere  Anlage suchen. Der Besitz mehrerer Industrieller Komplexe verĂ€ndert neben dem Geldbeutel vor allem die, in den jeweiligen Regionen, vorhandenen ArbeitskrĂ€fte. So werden aus Landarbeitern und Handwerkern schnell Facharbeiter die vor allem zu Beginn der neuen Ära sehr selten anzutreffen sind. Neben diesen beiden Nebeneffekten steigert die Organisierte Produktion auch unser Weltansehen und ehe man sich versieht landet man auf einen der insgesamt mit Acht PlĂ€tzen belegten Weltrangliste der GroßmĂ€chte. Damit spielt nun Frankreich eine fundamentale Rolle im GeplĂ€nkel um Macht und Einfluss in Europa.

Doch machen wir uns nichts vor, nur alleine durch Angebot  und Nachfrage kann man kein Reich und vor allem die Welt regieren. Dazu benötigt es Soldaten und zwar eine menge Soldaten. Je nachdem wie weit unsere Forschung im Waffensektor voranschreitet verĂ€ndert sich, simuliert dargestellt, die Vorgehensweise unserer Armeen. Vorbei sind die Zeiten von Vorderladern und Bajonetten. Jetzt sind Maschinengewehre und schwere Artillerie gefragt. Denn mit modernen Truppen lĂ€sst sich schnell Land gewinnen. Damit das ganze nicht außer Kontrolle gerĂ€t und auf den Globus ein einziges Feuerwerk veranstaltet wird, gibt es Richtlinien die den Krieg realistisch wirken lassen sollen. Ohne Kriegsrechtfertigung marschiert nicht ein Gefreiter ins feindliche Land, zufĂ€llige Events ausgeschlossen. Unberechtigte ÜberfĂ€lle steigern den Infamie Wert unseres Staates ins unermessliche. Ist eine gewisse Obergrenze ĂŒberschritten kann ein GroßbĂŒndnis verschiedener LĂ€nder schnell zur AbrĂŒstung zwingen. Und das ist fĂŒr eine große Nation wie Frankreich Existenz entscheidend . Befolgen wir stattdessen die Richtlinien kann die Nation im großen Umfang wachsen und neue Bevölkerungsgruppen und Religiöse Minderheiten assimilieren. Deren AlttagsbedĂŒrfnisse sollten zufriedenstellend gestillt werden sonst stehen Revolten bevor, wenn man sie nicht vorher durch UnterdrĂŒckungspunkte verhindert. Rebellionen sind fĂŒr Nationen schĂ€dlicher wie jeder andere Krieg. Kurzerhand können neue Regierungssysteme etabliert werden. Aus Demokratien werden Absolute Monarchien oder Diktaturen. Aus Monarchien werden BĂŒrgerherrschaften, Faschisten lösen Liberale ab, Konservative werden durch Kommunisten gestĂŒrzt. Knapp Formuliert, alles was wir bisher Poltisch in der Welt gesehen haben hat Paradox in Perfektion in Victoria 2 eingebaut.

Wie bei den anderen Titeln nutzt auch Victoria 2 eine verbesserte Version der Clausewitz Engine. Dabei sollte man vor allem den grafischen Umfang nicht mit anderen Game Engines, die beeindruckende Grafik samt Effekten erzeugen können, vergleichen. Die einzigen im Spiel dargestellten Dreidimensionalen Objekte sind die recht Polygon armen Armeemodelle. Der Rest wird in einer sehr ĂŒbersichtlichen 2D Weltkarte prĂ€sentiert. Ohne diese wĂŒrde sehr schnell die Übersichtlichkeit von Land einnahmen und Kolonialisierungen verloren gehen. So ist die gesamte Ansicht Grafisch etwas schlicht gehalten bietet aber eine beachtlich Genauigkeit und Details. Von den Alpen bis zu den Rocky Mountains ist die Welt eins zu eins nachgebildet worden. Paradox setzt dabei nur einige spielwichtigen Elemente bildlich um. Das Versorgungslimit von Provinzen wird in einer Tabelle gemeinsam mit den anderen Eigenschaften des Gebiets angezeigt. Bessere Nachschubsrouten sind vor allem durch Eisenbahnnetze ersichtlich. Den Überblick behĂ€lt man aber letzten Endes durch das Einschalten von verschiedenen Ansichten die die kulturellen Regionsunterschiede, Die Reichsgrenzen (oder das Reichsterritorium) und die EffektivitĂ€t von Verwaltungsorganen anzeigen. Etwas komplizierter dagegen ist trotz fein gegliederten Reitern das Wirtschafts- und Welthandelssystem. Buchhalter dĂŒrften am wenigsten Probleme damit haben die Spielinternen Statistiken auszuwerten. Ein Großteil des Spiels wird so durch die eigene Fantasie dargestellt. Dies betrifft auch die Gefechte im Spiel. Außer Moral und Versorgungsbalken sind es lediglich aufflackernde Zahlen die den Status der Armeen wiedergeben. Schlachten wie in einem Total War Spiel zu fĂŒhren ist bei Paradox Speielen generell nicht möglich.

Um das Spiel noch zu versĂŒĂŸen haben die Entwickler aus dem kalten Norden Victoria 2 mit einem Mehrspielermodus ausgestattet. Neben den immer vorhandenen LAN Modus kann man seine Weltherrschaftsfanatasien noch auf den Hauseigenen Metaservern ausleben. An dieser Stelle sei erwĂ€hnt das sich die Community zu diesem Nischen Publisher sehr eigenstirnig verhĂ€lt und man ohne Offiziellen Absprachen in den Foren kaum auf Mehrspielerpartien trifft. Dies hat den Hintergrund das bedingt durch die Spielbarkeit nur sehr wenige große Nationen zur VerfĂŒgung stehen denen eine breite Masse an schwachen Staaten gegenĂŒber steht. Um so ein vom Spiel nicht vorgelegtes Gleichgewicht zu bewahren werden vor den Partien eigene Spielregeln aufgestellt, die bei Nichtbeachtung sehr schnell den eigenen Ruf ruinieren. Da bei diesem Spiel nur wenige hundert Spieler vorhanden sind die tatsĂ€chlich bereit sind im Online Modus gegen Unbekannte anzutreten ist es nur ratsam sich an diese individuellen Regelwerke zu halten. Die Geschwindigkeit des Zeitraffers kann nur vom Host festgelegt werden. Dadurch entsteht eine gewisse Art Rundenstrategie.

Fazit

Als langjĂ€hriger Fan von Paradox Monstersimulationen konnte auch ich der Versuchung nicht widerstehen in der Welt Anfang des 19. Jahrhunderts Fuß zu fassen. Der Einstieg war mit einer 90 Grad steilen Bergwand zu vergleichen. Die ersten Stunden endeten meistens im totalen Desaster, da ich keine Ahnung hatte was ich alles auf meiner Aufgaben Liste zu erledigen hatte. Erst durch die Zuhilfenahme von Let’s Plays und einiger Tutorials war es mir möglich, mich in diesem Komplexen Spiel zurecht zu finden. Daher kann ich den Kauf nur jeden Abraten der Ungeduldig ist und lieber ein schnelles Spiel sucht. FĂŒr Geschichtsstudenten und Historie begeisterte ist auch dieser Paradox Teil das gelobte Produkt. Grafikfetischisten dĂŒrften an Victoria 2 ohnehin durch die etwas rĂŒckstĂ€ndig wirkende Engine keinen Gefallen finden.

6,5 /10

VN:F [1.9.22_1171]
Bewertung: 5.0/5 (11)