Etherlords im Retro-Test (Review)

„Merke auf, Kind: ¬†Der √Ąther ist der Quell all unserer Magie und durchzieht die Welt wie ein d√ľnner Faden, an manchen Stellen stark, an Anderen wiederum schwach.¬†Unser Wille und Handeln allein entscheiden, ob Chaos oder Ordnung unser Sein bestimmen: Der √Ąther versklavt Diejenigen, welche folgen, und zerst√∂rt alle Anderen, die sich ihm verweigern!“ Auch wenn … weiter

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Etherlords im Retro-Test (Review)

throgh am 7.März 2013 um 15:03:35

„Merke auf, Kind: ¬†Der √Ąther ist der Quell all unserer Magie und durchzieht die Welt wie ein d√ľnner Faden, an manchen Stellen stark, an Anderen wiederum schwach.¬†Unser Wille und Handeln allein entscheiden, ob Chaos oder Ordnung unser Sein bestimmen: Der √Ąther versklavt Diejenigen, welche folgen, und zerst√∂rt alle Anderen, die sich ihm verweigern!“

Auch wenn dies nun kein wirkliches Zitat aus dem Spiel selbst ist, orientiert es sich an eben diesem.¬†Aber was hat es auf sich mit „Etherlords“?¬†K√∂nnen die inzwischen √ľber GOG.com erh√§ltlichen Teile 1 und 2 tats√§chlich faszinieren?¬†Oder ist das Spiel doch nur eher ein standardisiertes wie auch lustloses Plagiat weit gr√∂√üerer Vorbilder?¬†Ich w√ľrde sagen, dass entscheiden wir gemeinsam in dem folgenden Test wie auch gern weiterhin in den Kommentaren.

Inhalt

Die Etherlords-Saga unterteilt sich inzwischen in zwei Teile auf. GOG.com bietet beide Spiele unabhängig zum Kauf an, leider jedoch nicht als Komplettpaket. Dennoch lohnt es sich beide Spiele zusammen hier zu beschreiben und auch in ihrer Erzählung bauen diese aufeinander.

Als Grundelement der gesamten Welt von Etherlords wird der „√Ąther“¬†genannt: Ein gro√üer Fluss aus wei√üem √Ąther, der in der Mitte des Universums entspringt, teilt sich in vier gleichm√§√üige Str√∂mungen auf –¬†eine Kraftquelle, die als Magie bezeichnet wird.¬†Die Welt selbst wird von vier verschiedenen Rassen bewohnt, die sich jeweils die Macht einer dieser √Ątherstr√∂mungen zu Nutze gemacht haben: Die aggressiven Chaosianer, die sich Rudeln fortbewegen und wilde Kreaturen wie W√∂lfe, Ratten, Orks sowie Kobolde herbeirufen k√∂nnen.¬†Zu ihren magischen F√§higkeiten geh√∂ren Blitze bis hin zu m√§chtigen Erdbeben.¬†Dann gibt es die Kineten, die eher auf Wasser-¬†und Wind-Magie setzen.¬†Nur ihnen ist es m√∂glich, die gewaltigen Drachen herbeizurufen.¬†Die dritte Partei sind die Vitali, die Macht √ľber viele Tiere und Pflanzen in der Natur haben.¬†Daher k√§mpfen Schlangen, Zecken, Bienen usw.¬†auf Seiten der Vitali.¬†Die vierte und letzte Rasse nennt sich Syntheten¬†und besteht aus einer Mischung von Mensch und Maschine.¬†Im Kampf setzten sie mechanische W√ľrmer oder sonstige mit Messern bewaffnete Maschinen ein.
Gef√ľhrt werden diese Parteien von den so genannten Lords, Herrscher ihrer jeweiligen Rasse.¬†Mit Hilfe des √Ąthers errichten diese Burganlagen, z√§hmen Monster, graben Minen, trainieren Helden und arbeiten an den magischen F√§higkeiten.¬†Bis eines Tages die Planeten wieder alle in einer Reihe stehen und der wei√üe √Ąther geb√ľndelt auf die Welt str√∂mt.¬†Wenn diese Sternenkonstellation erreicht ist, kann Einer der Herrscher im „Tempel der Zeit“¬†aufsteigen.¬†Er wird dann der Wei√üe Lord genannt und kann entsprechend die komplette Magie in sich b√ľndeln.

Etherlords 1

Im ersten Teil werden wir als Spieler nunmehr initial mit dieser Welt konfrontiert und m√ľssen nach Wahl der Seite erkunden was es nun mit den kommenden Ver√§nderungen auf sich hat –¬†zur Wahl setehen jeweils die Vitali /¬†Kineten und Chaosianer /¬†Syntheten.¬†Dabei kann es durchaus passieren, dass man mit zun√§chst Verb√ľndeten oder gar Freunden brechen muss.¬†Am Schluss steht die Konfrontation mit dem Wei√üen Lord selbst, aber bis dahin sind noch einige H√ľrden zu nehmen und zahlreiche Lektionen in der Kunst des Krieges wollen schmerzlich gelernt werden!

Etherlords 2

Der zweite Teil greift die vorangegangenen Ereignisse auf und erw√§hnt nunmehr auch namentlich direkt zu Beginn die Figur der Diamanda, welche durch Experimente der Syntheten ver√§ndert wurde.¬†Sie taucht nun als eine Art Hybrid auf und verbreitet eine Krankheit, welche den Opfern all ihre Energie und damit die Lebensgrundlage entzieht.¬†Die jeweiligen zwei Seiten verbleiben wie auch im ersten Teil und der Spieler muss sich f√ľr eine Partei entschlie√üen.¬†Am Ende jedoch wartet das Spiel mit einem kompletten Epilog auf, in welchem man dann die Rolle der Diamanda √ľbernimmt und herausfindet wer tats√§chlich hinter all den Vorg√§ngen der magisch verursachten Krankheit steckt!¬†Mehr sei aber an dieser Stelle auch nicht verraten.

Atmosphäre und Spielmechanik

„Etherlords“¬†ist ein rundebasiertes Strategiespiel.¬†Aus der isometrischen Perspektive steuern wir als Spieler unseren jeweiligen Helden √ľber eine Karte und √ľberdenken die einzelnen Z√ľge wie auch Vorgehensweisen ohne weitere Einfl√ľsse oder Hektik.¬†Allerdings bietet das Spiel auch weit mehr, denn die K√§mpfe selbst geschehen mit einem sog.¬†Schriftrollen-Set.¬†Die einzelnen Schriftrollen sammelt man als Troph√§en aus den verschiedenen Konfrontationen.¬†In der Anwendung haben sie verschiedene Auswirkungen und rufen Monster /¬†Kreaturen herbei oder beschw√∂ren m√§chtige, elementare Kr√§fte als Zerst√∂rung oder Unterst√ľtzung.¬†Auch erh√§lt der Held nach K√§mpfen, besonderen Funden von versteckten Orten und Sch√§tzen wie auch erledigten Aufgaben Erfahrungspunkte und kann Fertigkeiten, Lebens-¬†und Magiepunkte steigern bzw.¬†ausbauen.

Die zwei Teile unterscheiden sich in ihrer grundlegenden Spielweise nur insoweit, dass „Etherlords 2“¬†weit n√§her mit der Kamera am Geschehen ist und etwas mehr Vielfalt in Sachen Aufgaben mit sich bringt.¬†Ansonsten sind K√§mpfe und Fortbewegung an das rundenbasierte Konzept gebunden, welches dennoch sehr fordernd sein kann, sofern zum Beispiel der Gegner einen vollkommen unerwarteten Zug t√§tigt und eine Kreatur beschw√∂rt, der unsere Verteidigung kaum etwas entgegensetzen kann.¬†Hierbei unterscheidet das Spiel nochmals zwischen passiven und aktiven Kreaturen.

Diese sind leicht zu unterscheiden, da die jeweiligen Punkte f√ľr „Angriff“¬†und „Verteidigung“¬†eingeblendet werden.¬†Wenn nun eine gegnerische Kreatur mit einem h√∂heren Angriffswert attackiert unterliegt unsere nat√ľrlich folgerichtig.¬†Das sorgt in den K√§mpfen f√ľr reichlich Dynamik!

Grafik und Sound

Aufgrund des Alters d√ľrften beide Spiele im Vergleich zu heutigen Produktionen sicherlich nicht mehr als „zeitgem√§√ü“¬†gelten.¬†Von daher ist auch hier die Einordnung als „Good Old Games“¬†korrekt.¬†Allerdings hat NIVAL hier einen kleinen Trick verwendet und die Spielwelt eher mit Comic-Elementen versehen.¬†So entsteht ein eher ungebundenes Gesamtbild und auch heute wissen beide Spiele zu begeistern in ihrer audiovisuellen Darstellung.¬†Ein Wehmutstropfen ist jedoch, dass die Bildschirmaufl√∂sungen relativ fix vorgegeben sind.¬†Die interne Architektur erlaubt sicherlich auch Ver√§nderungen, jedoch wird die Oberfl√§che nicht mit skaliert.¬†Das bedeutet eben, dass man durchaus eine Skalierung des gesamten Bildes vermeiden kann daf√ľr dann aber auch eine abgeschnittene Oberfl√§che akzeptieren muss.

Es ist daher nicht ratsam die Aufl√∂sung intern durch Manipulation der Konfigurationsdateien zu ver√§ndern.¬†Das Ergebnis w√§re nur zur H√§lfte tats√§chlich befriedigend.¬†Hier h√§tte NIVAL vielleicht doch noch etwas Abhilfe schaffen k√∂nnen.¬†Dem eigentlichen Spiel jedoch bringt dies keinen allzu gro√üen Schaden!¬†Unter Linux lassen sich die beiden Klassiker problemfrei wie auch unter Windows installieren.¬†Empfehlenswert w√§re aber auch gerade f√ľr Linux die Kontrolle, ob eine 16Bit-Farbtiefe konfiguriert ist.¬†Gerade f√ľr „Etherlords 1“¬†ist das essentiell wichtig!

Res√ľmee

„Etherlords“¬†wirkt teils immer noch wie ein Zusammenspiel vieler einzelner Komponenten: Der Sammeltrieb aus einem System wie „MAGIC –¬†The Gathering“, Rollenspielelemente und Entdeckerfreuden aus einem „Heroes of Might &¬†Magic“.¬†Kann das denn begeistern?¬†Klare Antwort: Nat√ľrlich!¬†Auch wenn die Erz√§hlweise der Geschichte doch etwas bieder zun√§chst wirkt, k√∂nnen sowohl „Etherlords 1“¬†als auch „Etherlords 2“¬†faszinieren.¬†Der Reiz entfaltet sich hierbei nicht in pomp√∂s inszenierten Zwischensequenzen sondern eben schlicht wie einfach durch die Handlungsweisen des Spielers selbst.¬†Allerdings muss man auch hierzu schon etwas resistenter gegen√ľber Frustrationen sein: Die „Etherlords“-Saga ist nur bedingt einfach gehalten.¬†W√§hlt man eine eher ung√ľnstige Kombination der Karten respektive Schriftrollen zu Beginn hat man es im weiteren Verlauf nicht gerade einfach.¬†Daher gilt auch der Leitsatz: Lieber einmal mehr sichern als keinmal!
Die Geschichte rund um den √Ąther und seinen Einfluss wie auch den schlichten Antrieb von M√§chten zum reinen Selbsterhalt ist zwar nur unterschwellig, aber dennoch stets pr√§sent.¬†Gerade der zweite Teil setzt das weit geschickter um mit dem Verweis auf die pure Abh√§ngigkeit, die aber auch zugleich ein Fluch ist: Chaos und Ordnung stehen in steter Konkurrenz.¬†Dennoch h√§tte NIVAL hier den Spieler etwas mehr bei der Hand nehmen k√∂nnen: An einigen Stellen f√ľhlt man sich schon etwas „verloren“.¬†Aber auch das l√§sst sich mit etwas Wille zum Risiko bew√§ltigen.¬†Was bleibt sind eben zwei wirklich sch√∂ne wie auch alte Spiele, deren Kauf man keinesfalls bereut.

Link zur GOG-Gamecard „Etherlords 1“
Link zur GOG-Gamecard „Etherlords 2“

von throgh
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Bewertung: 5.0/5 (2)