Conker’s Bad Fur Day – Retro-Review

Stellt euch vor, ihr möchtet einen familienfreundlichen Platformer erschaffen, aber die Vorabversion wird von der Presse zerrissen. Aus einer Mischung aus gekrĂ€nktem Stolz und dem Willen, es den Leuten zu beweisen, programmiert ihr euer Spiel kurzerhand um, um daraus alles, außer etwas familienfreundliches, zu machen. So oder so Ă€hnlich ist das der Fall bei Conker’s … weiter

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Conker’s Bad Fur Day – Retro-Review

FloosWorld am 10.Februar 2020 um 15:02:47
Stellt euch vor, ihr möchtet einen familienfreundlichen Platformer erschaffen, aber die Vorabversion wird von der Presse zerrissen. Aus einer Mischung aus gekrĂ€nktem Stolz und dem Willen, es den Leuten zu beweisen, programmiert ihr euer Spiel kurzerhand um, um daraus alles, außer etwas familienfreundliches, zu machen. So oder so Ă€hnlich ist das der Fall bei Conker’s Bad Fur Day. Das von Rare entwickelte Spiel begann als „Twelve Tales – Conker 64“, war unter diesem Titel auch als harmloser und familienfreundlicher Plattformer vorgesehen und wurde nach mehreren DesignĂ€nderungen am Ende der Lebensspanne vom N64 im Jahr 2001 veröffentlicht. Das Endergebnis ist auf technischer und spielerischer Ebene interessant und beeindruckend.
 
Diese Review entsteht auf Basis der in Rare Replay enthaltenen und mit dem N64-Original identischen Version sowie dem Xbox Remaster „Live & Reloaded“.

 

Handlung

Conker, ein rothaariges Eichhörnchen, ist in einer Kneipe und betrinkt sich. Über das Telefon vertröstet er seine Freundin Berri, ein Chipmunk, dass es wohl heute wieder ein wenig lĂ€nger bei ihm wird. Conker verlĂ€uft sich auf dem Weg nach Hause und versucht nun irgendwie wieder den Weg ins eigene Bett zu finden. Auf dem Heimweg laufen ihn allerlei skurriler Gestalten ĂŒber den Weg, unter anderem ein Bienenkönig, der seine Frau fĂŒr eine Sonnenblume mit großen BrĂŒsten verlassen hat oder einen opernsingenden Haufen Kot.

 

Zur gleichen Zeit bricht beim milchtrinkenden und -liebenden König Panter ein Tischbein, wodurch er ein Glas seiner geliebten Milch verschĂŒttet. Er beauftragt den Doktor seines Schlosses damit, nach einer Lösung zu finden, ohne das Klebeband benutzt werden muss. Die Lösung des Doktors: ein Eichhörnchen muss her! Von nun an wird Conker von dem König und seinen Schergen gejagt.

 

Gameplay

Conker steuert sich wie ein typischer 3D Platformer. Die Steuerung der N64 Version wurde dabei ganz gut auf den Xbox Controller ĂŒbersetzt, allerdings ist es doch nervig, dass der rechte Stick invertiert ist ohne Möglichkeit, das zu Ă€ndern. Das bedeutet: möchte man die Kamera nach links drehen, muss der Stick nach rechts bewegt werden.

 

Conkers Lebensanzeige ist eine Tafel Schokolade mit sechs StĂŒcken. In der Spielwelt sind einzelne SchokoladenstĂŒcke verteilt, mit denen er seine Gesundheit wieder auffĂŒllen kann. Stirbt er, verliert er ein Leben. Neue Leben erhĂ€lt Conker, indem er auf der Welt verteilte EichhörnchenschwĂ€nze einsammelt.

 

Conker erklĂ€rt die Steuerung bei schwereren Abschnitten in Zwischensequenzen, indem er sich daran erinnert, welche Taste nun gedrĂŒckt werden muss. Da es sich bei Rare Replay um die N64 Version des Spiels handelt, spricht Conker auch von den Tasten des N64 Controllers, in den Sprechblasen der Zwischensequenzen wird jedoch die jeweilige Taste auf dem Xbox Controller eingeblendet.

 

Bleibt man stehen, kann man Conker nach einiger Zeit beobachten, wie er z.B. ein Heft liest, etwas trinkt und mit einem Gameboy spielt

 

Conker’s Bad Fur Day bietet hier und da kleinere Aufgaben, z.B. eine gewisse Anzahl von etwas von A nach B transportieren.

 

Das Spiel nimmt sich selbst nicht ernst und ein großer Teil des Humors wird ĂŒber Filmanspielungen auf Titel wie Clockwork Orange, Die Zauberer von Oz, Matrix oder auch Der Soldat James Ryan transportiert. Der Humor des Spiels ist an sich Ă€ußerst schwarz und vulgĂ€r. An einigen Stellen war der Humor den Entwicklern zu schwarz, weswegen eine doch recht heftige Szene der Schere zum Opfer fiel. Eine weitere Szene mit einer deutlichen Anspielung an PokĂ©mon in der Pikachu von einem Mafiaboss geschlagen wird, wurde wohl auf DrĂ€ngen von Nintendo entfernt.

 

Laut Entwicklerangaben wurde sich nicht wirklich ĂŒber eine Geschichte Gedanken gemacht, sondern mehr auf die Umsetzung einzelner Elemente geachtet, was sich auch deutlich im Spiel bemerkbar macht und man gespannt ist, was als nĂ€chstes passiert.

 

Freigespielte Kapitel können jederzeit im HauptmenĂŒ ausgewĂ€hlt werden. Die Kapitel sind in mehrere Akte unterteilt. Das Spiel bietet die Möglichkeit, drei SpielstĂ€nde anzulegen.

 

Technik

Als eines der wenigen Spiele fĂŒr den N64 setzt Conker’s Bad Fur Day auf eine 512 Mbit Cartridge, was die volle Ausnutzung der 64 MB an Spieldateien ermöglicht. Ein weiteres Spiel, welches so eine Cartridge benutzt, ist Resident Evil 2.

 

Das Spiel besitzt eine komplett englische Sprachausgabe (und Bildschirmtexte) sowie vertonte Zwischensequenzen, was fĂŒr die Konsole eine echte Seltenheit ist.

 

Das Spiel wurde von nur drei Personen vertont: Louise Ridgeway fĂŒr alle weiblichen Stimmen, Chris Seavor fĂŒr alle mĂ€nnlichen Stimmen sowie Chris Marlow als Stimme von The Great Mighty Poo.

 

Das in der N64 Version vorhandene Intro, in welchem Conker das Logo der Konsole zersĂ€gt, ist aus lizenzrechtlichen GrĂŒnden nicht in Rare Replay ĂŒbernommen worden. Schade eigentlich, da man sicherlich das N64-Logo durch das der Xbox hĂ€tte austauschen können und etwas Ă€hnliches bereits mit einem Clip mit Conker und Banjo existiert.

 

Multiplayer

Conker’s Bad Fur Day bietet sieben verschiedene Multiplayer Modi: Total War, Beach, Raptor, Heist, Race, Tank, Deathmatch.

 

Modi wie Beach basieren teilweise auf Stellen aus dem Storymodus. Hier treten die Tediz gegen französische Eichhörnchen an.

 

Wer genaueres ĂŒber die Multiplayer Modi erfahren möchte, kann sich dieses Video der Entwickler anschauen.

 

Conker: Live & Reloaded

2005 erschien mit Conker: Live & Reloaded ein Remaster fĂŒr die erste Xbox, welches AbwĂ€rtskompatibel mit Xbox 360 und Xbox One ist und zudem digital gekauft werden kann. UrsprĂŒnglich war das Ganze als Sequel mit dem Namen „Conker’s other Bad Fur Day“ fĂŒr Nintendos Nachfolgekonsole – dem Gamecube – geplant. Nachdem Microsoft aber Rare ĂŒbernommen hatte, wurde das Studio damit beauftragt, Bad Fur Day zu remastern. Das Remaster selbst sollte ursprĂŒnglich „Live & Uncut“ heißen.

 

Das Remaster fĂŒgt deutsche Bildschirmtexte hinzu und hat kleinere Neueren zu bieten. So wurden z.B. Sequenzen, wie die mit dem Wasserspeier am Anfang des Spiels um ein paar die vierte Wand brechende Dialogzeilen erweitert und einige Aufgaben im Schwierigkeitsgrad gesenkt. Neben der Bratpfanne hat Conker einen BaseballschlĂ€ger mit einer sehr effektiven Dreierschlagkombo dazubekommen.

 

Grafisch wurde das Spiel auch verbessert – Conker, Berri und alle weitere Tiere, die ein Fell besitzen, haben nun in Echtzeit berechnete Haare.

 

Die Stellen, in denen Conker die Steuerung des Spiels erklĂ€rt, wurden fĂŒr den Xbox Controller neuaufgenommen. Ansonsten wurden die Sprachaufnahmen der N64 Version in höherer QualitĂ€t wiederverwendet.

 

Eine unter Fans kritisierte Tatsache ist jedoch, dass die Dialoge des Remaster stark zensiert sind und das an Stellen, die in der N64 Version unzensiert zu hören waren. Das ist aber soweit (abgesehen von The Great Mighty Poo) nicht wirklich tragisch, da man sich denken kann, was die Figuren sagen wollen.

 

Die in der N64 Version vorhandenen Cheats wurden aus dem Spiel entfernt. Somit ist es u.a. nicht mehr möglich, alle Kapitel freizuschalten.

 

Live & Reloaded besitzt andere Multiplayer Modi und war ĂŒber Xbox Live online spielbar. Die Server fĂŒr das Spiel wurden 2010 abgeschaltet, ĂŒber System Link mit Xlink Kai kann aber weiterhin online gespielt werden. Ein Spiel gegen die KI, im Spiel Dummbots genannt, ist weiterhin möglich.

 

Fazit

Wer auf schwarzen (und insbesondere vulgĂ€ren) Humor steht, der kann mit Conker nichts falsch machen. Das Spiel lebt definitiv davon, dass man so wenig wie möglich im Vorfeld ĂŒber einzelne Sequenzen weiß und alles auf sich zukommen lĂ€sst. Bereits in den ersten Spielminuten finden einige großartige Momente statt, etwa die Anspielung auf Clockwork Orange direkt im Intro.

 

Da die N64 Version preislich gesehen eine richtige Frechheit ist (die Cartridge wird ab 100 € verkauft, obwohl das Spiel mit knapp 770.000 verkauften Einheiten gar nicht mal so selten ist – Tony Hawk’s Pro Skater 3, das letzte Spiel fĂŒr den N64, ist trotz einer geringen Auflage von knapp 300 produzierten Cartridges deutlich gĂŒnstiger zu haben), ist Rare Replay eine willkommene Alternative. Noch besser ist es, dass man zusĂ€tzlich das Xbox Remaster entweder als Disk Version fĂŒr knapp 30 € oder digital fĂŒr 10 € kaufen kann und somit beide Versionen auf einer Konsole hat.

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Bewertung: 5.0/5 (2)