Orcs Must Die!: Testbericht, Review

Der durchschnittliche Rollen- und Fantasyspieler hat es alltĂ€glich mit Orks zu tun. Große Freunde dieser Rasse werden Orcs Must Die! (Orks mĂŒssen sterben!) vermutlich verfluchen, denn hier gibt es nur ein Ziel: Die kleinen, dummen, grĂŒnen Orks, so zumindest die Hauptmerkmale in Orcs Must Die!, mit allen nötigen Mitteln zurĂŒck in die Hölle schicken. Die … weiter

» Orcs Must Die Review

Orcs Must Die!: Testbericht, Review

Malte am 6.November 2011 um 11:11:13

Der durchschnittliche Rollen- und Fantasyspieler hat es alltĂ€glich mit Orks zu tun. Große Freunde dieser Rasse werden Orcs Must Die! (Orks mĂŒssen sterben!) vermutlich verfluchen, denn hier gibt es nur ein Ziel: Die kleinen, dummen, grĂŒnen Orks, so zumindest die Hauptmerkmale in Orcs Must Die!, mit allen nötigen Mitteln zurĂŒck in die Hölle schicken.

Die Welt liegt in den HÀnden eines dÀmlichen Lehrlings

Orcs Must Die! stellt einen gekonnten Kompromiss aus Tower Defense und 3rd-Person-Action dar. Und von Tower Defense darf man natĂŒrlich keinen allzu komplexen Handlungsstrang erwarten: Das ist auch gut so, denn mit viel Humor geht’s eben auch. „300 Jahre kĂ€mpfte ich fĂŒr den Orden, gegen die Orks. Und so endet es nun. Ich rutsche auf Kobold-Blut aus und schlage mir den SchĂ€del an einer Stufe ein. Und die Aufgabe, diese Festung zu verteidigen fĂ€llt an meinen … *seufz* … Lehrling. Dann war’s das also: Die Welt wird untergehen.“ Die mimische Darstellung des im Intro gezeigten Lehrlings spricht fĂŒr sich: siegessicher, naiv und großmĂ€ulig. Erwartungsvoll schlĂŒpft Ihr auch schon in die Rolle des Lehrlings. „Nun hĂ€ngt alles von mir, Ruhe in Frieden alter Mann. Das Wichtigste zuerst: Mal sehen, was das Zauberbuch zu bieten hat.“ Eure erste Aufgabe also: Einen Blick ins Zauberbuch Eures alten Meisters werfen. Wer jetzt denkt, FeuerbĂ€lle und Eispfeile im Buch der Magie zu finden, liegt falsch. Giftstachel, Teerfalle und PfeilwĂ€nde beherbergt das Buch des weisen Zauberers. Gut, dann platzieren wir eben vor dem, in der Karte gekennzeichneten, rappelnden Tor ein paar Giftstachel per Klick. Denn hier wird die Horde Orks wohl durchbrechen. Das Spiel geizt an keiner Stelle mit Humor, weshalb Kommentare des dĂ€mlichen Protagonisten wie „Ich dekoriere ein wenig um.“ oder „Wie Baldrian … nur fĂŒr Orks.“ immer sehr gelegen kommen. Nach einigen Metern in die entgegengesetzte Richtung folgt ein engerer Korridor. Ein geeigneter Platz fĂŒr ein paar PfeilwĂ€nde, die die Orks so richtig durchlöchern werden! Nach ein paar weitere Schritte stehen wir auch schon unmittelbar vor dem Portal zur Erde, was um jeden Preis vor dem Eindringen der Orks verteidigt werden muss. Das Geld, so wird es im Spiel auch bezeichnet, genĂŒgt noch fĂŒr zwei Felder Giftstacheln vor dem Portal; also platzieren wir sie. Das Portal ist nun ausreichend geschĂŒtzt, jetzt nur noch die magische Armbrust zĂŒcken und die Horde entfesseln!

Spaßige Metzelei

WĂ€hrend dem Erklingen der atmosphĂ€risch absolut passenden Musik durchdringen die grĂŒnen, kleinen Orks auch schon das Tor zu unserer kerkerartigen Festung. Der erste Plan ist aufgegangen und wird belohnt: Die voranstĂŒrmenden Orks trampeln gerad’wegs in unsere Stachelfallen und segnen das Zeitliche, natĂŒrlich völlig sinnfrei jedoch aberwitzig kommentiert mit SprĂŒchen wie „Muss ich das Parkgeld noch zahlen?“, „Nicht schon wiedeeeeer …“ oder „Eigentlich bin ja nur ein Halb-Ork …“. Die Orks nĂ€hren sich weiter dem Portal, ganz im Stil bekannter Ego-Shooter visieren wir mit unserer magischen Armbrust den Kopf der glibrigen Orks an und erlangen fĂŒrs Treffen sogar ordentlich Boni. Immer weniger Orks sind vor uns sichtbar, weitere werden durch unsere natĂŒrlich ausgeklĂŒgelt positionierten PfeilwĂ€nde in feinster Manier durchlöchert, was nicht nur witzig anzusehen ist sondern durch tolle Soundeffekte auch schön fies klingt. Puhh, keine Orks mehr ĂŒbrig, genĂŒgend Geld fĂŒr weitere Fallen und die nĂ€chste Welle droht in 15 Sekunden einzumarschieren. Schnell noch ein paar PfeilwĂ€nde und Giftstachel an geeigneten Stellen platzieren und die nĂ€chste Welle ĂŒberstehen. Durch die höhere Anzahl der Fallen war die zweite Welle ein Zuckerschlecken und der Level ist geschafft!

Runen, Fallen und Co.

Nach einem kleinen Breakdance des Helden können wir nun die gewonnenen SchĂ€del, die sich aus der Punktzahl ergeben, fĂŒr Verbesserungen der Fallen ausgeben. Die PfeilwĂ€nde erzielen bei Verbesserung beispielsweise eine höhere Reichweite. Ein Top-Ergebnis wird mit maximal fĂŒnf SchĂ€deln pro abgeschlossenen Level belohnt. Die vorhandenen Fallen lassen sich natĂŒrlich nicht nur verbessern, auch neue Fallen erlangt Ihr bei Abschluss einer Missionen. Den Entwicklern sind die Ideen keinstenfalls ausgegangen: Alle Fallen haben völlig unterschiedliche Funktion und können taktisch verschieden, je nach Aufbau der Festung, eingesetzt werden.

Das Zauberbuch umfasst insgesamt 30 Slots fĂŒr Fallen und ZaubersprĂŒche wie eine Windfaust, die Orks durch die Gegend wirbelt und bei gekonntem Einsetzen in AbgrĂŒnde stĂŒrzt. Die Runen sind wĂ€hrend einer Schlacht aus der 3rd-Person-Perspektive per Mausklick jederzeit einsetzbar. SpĂ€ter dĂŒrft Ihr sogar Kontakt zu Weberinnen aufnehmen, die Euch gegen Bezahlung im Kampf einige Vorteile verschaffen. Krieger und BogenschĂŒtzen dĂŒrft Ihr an beliebigen Stellen beschwören, wenn Ihr die Runen erhalten habt. Sehr schön: Einige Missionen sind fĂŒr BogenschĂŒtzen oder Fußsoldaten konzipiert, sodass sie auf TĂŒrmen oder Podesten perfekt platziert werden können. Der Schwierigkeitsgrad von Orcs Must Die! steigt ab dem ersten Level der insgesamt 24 kontinuierlich an. Die Spielzeit betrĂ€gt etwa sechs Stunden. Zwar stehen Euch immer mehr ZaubersprĂŒche und Fallen zur VerfĂŒgung, die gegnerischen Horden hingegen erweitern sich ebenfalls um einige schwer bezwingbare Gegnertypen wie starke Oger oder Kobolde, die ratzfatz das Portal durch ihre hohe Geschwindigkeit erreicht und passiert haben. Das alles trĂ€gt sehr zur taktischen Vielfalt von Orcs Must Die! bei: FĂŒr jedes Level könnt und mĂŒsst Ihr individuelle Taktiken entwickeln um die Horden in Schach zu halten. Nach Abschluss aller Missionen schaltet Ihr den letzten Schwierigkeitsgrad frei. Kurze Wartezeiten zum Platzieren neuer Fallen zwischen den Wellen entfallen nun und die Anzahl der tragbaren ZaubersprĂŒche wird reduziert. So mĂŒsst Ihr gut entscheiden, welche ZaubersprĂŒche Ihr aus dem Zauberbuch fĂŒr die Mission auswĂ€hlt.

Orcs Must Die! sprĂŒht leider nicht nur von guten Seiten. Jammerschade ist’s um den fehlenden Multiplayer, denn die Jungs von Robot Entertainment (ehemals Ensemble Studios) haben Erfahrung mit guten Multiplayer-Konzepten. Die stilsicheren aber sehr abwechslungsarmen Festungen hat man sich nach einiger Zeit satt gesehen. Ein paar mehr Szenarien hĂ€tten Orscs Must Die! den letzten Feinschliff verpasst. Wer jetzt noch auf einen komplexen Handlungsstrang verzichten kann und fĂŒr Tower Defense etwas ĂŒbrig hat, bekommt mit Orcs Must Die! einen rundum sehr gelungenen Titel.

Mein Fazit

Soviel Spiel fĂŒr gerade mal 14€,-? Das hat’s schon lange nicht mehr gegeben. Die spĂ€rliche Story und die abwechslungsarmen Level macht das humorvolle Spielkonzept allemal wieder wett. Level fĂŒr Level mehr Möglichkeiten, die Horden zurĂŒck in die Hölle zu befördern. Das Leveldesign und der Einfallsreichtum der Entwickler machen‘s möglich. Orcs Must Die! ist fĂŒr Taktiker und Metzger gleichermaßen wahrlich ein Fest.

durchdachtes Leveldesign ein Multiplayer wÀre wunderbar gewesen
viele Fallen, taktisch einsetzbar Kerkerfestungen bleiben grafisch eintönig
ZaubersprĂŒche und magische Waffen Charaktere bleiben blass
hohe Spieldauer quasi Verzicht auf eine Story
passender Comic-Look
grenzenloser Humor
ein etwas anderer Held
witzig-unterhaktende Hintergrundmusik
Mitmengen in den Schnetzelorgien!

Lange nicht mehr so viel Spaß mit Orks gehabt!

8 /10

VN:F [1.9.22_1171]
Bewertung: 4.0/5 (4)