Retro-Check: Euro Truck Simulator

Heute gilt es als eines der erfolgreichsten LKW-Fahrsimulationen ĂŒberhaupt, doch wie steht es mit dem allerersten Teil? Dieser ist nun 10 Jahre alt geworden und fast schon in Vergessenheit geraten. SCS Software verfrachtete den Schauplatz vom großen Amerika aus „18 Wheels of Steel“ ins kleinere Europa. Wie wirkt das Spiel heute? Wir wagen einen Blick. … weiter

Review: Bus Driver Gold

Simulationen, wo man mit einem Bus Passagiere von A nach B transportiert, auch wenn man Haltestellen von A bis Z anfahren muss, gibt es wie Sand am Meer. Simulationen, wo man allerdings mit recht abstrusen und eigenartigen Herausforderungen zu kĂ€mpfen hat, da sie mit einem hohen Grad an SensibilitĂ€t glĂ€nzen, bilden da eher eine Seltenheit. … weiter

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Retro-Check: Euro Truck Simulator

kepu am 9.August 2018 um 10:08:29

Heute gilt es als eines der erfolgreichsten LKW-Fahrsimulationen ĂŒberhaupt, doch wie steht es mit dem allerersten Teil? Dieser ist nun 10 Jahre alt geworden und fast schon in Vergessenheit geraten. SCS Software verfrachtete den Schauplatz vom großen Amerika aus „18 Wheels of Steel“ ins kleinere Europa. Wie wirkt das Spiel heute? Wir wagen einen Blick.


Bei „18 Wheels of Steel“ war das Ziel klar definiert: mit gigantischen amerikanischen Trucks Frachten von A nach B liefern und das quer durch die USA. Durch die großen Highways musste man stets auf die Wachsamkeit des virtuellen Ichs, auf die Umgebung, auf den Sprit und auf das eigene Budget achten. Zumal man zum Schluss noch die große Herausforderung hatte, die Fracht rĂŒckwĂ€rts einzuparken.

Wer dabei nicht unbedingt Lust hatte, sein ganzes Spiel auf europĂ€isch trimmen zu wollen durch Modifikationen, hatte ab 2008 die Möglichkeit, von den gleichen Machern einen kompletten LKW-Fahrsimulator zu holen, der Europa als Schauplatz hatte. Dieser trug den Namen „Euro Truck Simulator“. Statt New York, Washington & Co gab es 17 europĂ€ische StĂ€dte wie Berlin, MĂŒnchen, Rom, Paris oder Madrid.

Wie es in den Regionen ĂŒblich ist, bewegen sich nicht etwa gewaltige Karossen mit einer langen Schnautze, sondern eher nĂŒchtern gestaltete Lastkraftwagen mit einer geraden Front. Das sorgt zumindest wĂ€hrend der FĂ€hrt fĂŒr eine ĂŒberaus bessere Sicht. Wirkt allerdings bei weitem nicht so elegant, aber ist dort nun mal Standard.

Und so kommt es auch, dass es zu Beginn irgendwie an Euphorie fehlt. Lediglich eine aufmunterne rockige Musik sĂ€uselt uns ins Ohr im schlichten HauptmenĂŒ, welches zufĂ€llig eines der 12 LKW zeigt, die wir im Spiel bewegen dĂŒrfen. Diese haben leider Fantasienamen, etwa SWIFT statt SCANIA, aber man erkennt ziemlich gut, um welchen Hersteller es sich beim jeweiligen Modell handelt. Vorher wird ein Land ausgewĂ€hlt, wo man starten möchte, und dann geht es mit einem Startbudget von immerhin 100.000€ zu einem x-beliebigen LKW-FachhĂ€ndler.

Doch man merkt schnell, dass dieses Budget lediglich fĂŒr die leistungsschwĂ€chsten Modelle ausreicht, FĂŒr die grundsĂ€tzliche Bewegung genĂŒgen diese völlig aus, doch allzu schnell kann man seine Fracht damit nicht ausliefern. Aber das wĂ€re schon seltsam, wenn man sofort in der Lage wĂ€re, das schnellste Modell ĂŒberhaupt kaufen zu können. So wird mir erstmal nur prĂ€sentiert, was möglich wĂ€re, wenn man das nötige Kleingeld hĂ€tte.

Kaum gekauft, schon dĂŒrfen wir laut dem simplen wörtlichen Tutorial, der hin und wieder am linken Bildschirmrand auftaucht, zu einer Firma fahren und eine Fracht transportieren. Startet man etwa in Deutschland, darf man von Berlin aus die StĂ€dte MĂŒnchen und Frankfurt anfahren. Man kann sich aber auch auf FrachtgĂŒter beschrĂ€nken, die vorerst nur aus GegenstĂ€nden, Lebensmitteln oder zerbrechlichen Sachen bestehen.

Bei der Fahrt ist einem klar: die Autobahn ist unumgĂ€nglich, schließlich verbringen LKW-Fahrer die meiste Zeit darauf. In der Anfangszeit ist es fĂŒr gewöhnlich so, dass der Verkehr um einen drum herum nur so davonsaust. Nur der Spurwechsel scheint noch ein Relikt aus den alten Zeiten zu sein, denn offenbar kennt die KI das so genannte Rechtsfahrgebot nicht. Man muss aber dazu sagen: das kennen viele nicht. So darf man auch durchaus Mittelspurschleicher beobachten, die es nicht unbedingt einsehen, nach dem Überholen eines LKW gleich wieder auf die rechte Spur zu wechseln, wenn kilometerweit nichts auf dieser Spur zu sehen ist. VollfĂŒhrt man einen plötzlichen Spurwechsel, kann man die KI verschrecken und zum Bremsen zwingen.

2008 ist zwar durchaus ein Jahr gewesen, wo Navigationssysteme ĂŒberaus erschwinglich waren. Diese Art der Navigation existiert hier nur in einer eingeschrĂ€nkten Variante, nĂ€mlich durch eine Minimap oben rechts, die die aktuelle Position anzeigt und man durch verschiedene Zoomstufen erkennen kann, was es so in der Umgebung gibt. Wo man hin muss, ist oben links abgebildet. Ist das Ziel recht weit entfernt, muss man da schon öfters auf die Karte gucken oder sich an den Schildern orientieren. Ein Schwung in die damaligen Zeiten der Orientierung, in einem Computerspiel und vor allen Dingen in der Zeit wirkt es eher nervig.

Zwar sagt die HĂŒlle was von „realistischen europĂ€ischen Autobahnnetzen“, aber wer weiß, welche man sich da abgeguckt hat, denn die Autobahnnetze Ă€hneln sich allesamt stark. Ein Autobahnkreuz in Spanien könnte exakt so aussehen wie in Deutschland oder eine Auf- und Abfahrt existiert in Italien in der gleichen Form wie in Polen. Lediglich die Natur seitlich der Autobahn und der Verlauf mögen da etwas Abwechslung bringen. Und selbstverstĂ€ndlich auch die Schilder. Doch selbst die Tankstellen, RastplĂ€tze und Mautstellen Ă€hneln sich stark. Zumal es eine Variante der Tankstelle gibt, die eine viel zu kurze Auf- und Abfahrt hat. Kennt man so in der RealitĂ€t nicht.

Wenn man irgendwann nach einer gewissen Zeit – je nach Grad des Orientierungssinns mit hĂ€ufigem Wechsel zwischen Karte und Spiel – an seinem Ziel angekommen ist, kommt die nĂ€chste Disziplin, die man auch in den VorgĂ€ngerteilen bewĂ€ltigen musste: den AnhĂ€nger rĂŒckwĂ€rts einparken. Das ist bei weitem nicht so einfach wie ein einzelnes Fahrzeug rĂŒckwĂ€rts in eine LĂŒcke zu manövrieren. Dennoch ist das Spiel gĂŒtig mit uns, es zeigt Akzeptanz beim Abstellen des HĂ€ngers, selbst wenn dieser recht weit von der Markierung weg steht. Am Ende wird alles zusammengerechnet: der Verdienst durch die Fracht, wovon die Strafen und die BeschĂ€digungen am HĂ€nger abgezogen werden.

Nun sind wir ein freier Mann und dĂŒrfen als quasi freiberuflicher LKW-Fahrer zu Firmen hinfahren und GĂŒter von A nach B transportieren. Neben ungefĂ€hrlichen Frachten wie Äpfel, KĂ€se, Milchpulver etc. und zerbrechlichen GĂŒtern wie Glas, ElektrogerĂ€te etc. gibt es auch Frachten mit so genannten ADR-Klassen. Das geht von harmlosen Sachen wie Benzin oder Diesel bis hin zu heißen Chemikalien. Um dieses Zeug transportieren zu können, bedarf es einiger Lizenzen, die uns neben der Expandierung in andere LĂ€nder auch Geld kosten.

Viel durch die Gegend fahren kostet uns allerdings nicht nur Geld, sondern auch Spritstoff und Energie. Hin und wieder ist ein Stop an einer Tankstelle notwendig, ein immer mehr und mehr blau werdender Kopf signalisiert, wann wir total mĂŒde sind. Das macht sich irgendwann durch Verdunkelung des Bildschirms mit dem Schriftzug „…döst…“ bemerkbar. Ist dies der Fall, ist es höchste Zeit, einen Rastplatz auszusuchen, um dort nĂ€chtigen zu können. Das lĂ€sst sich allerdings in den Optionen deaktivieren, falls man einen LKW-Fahrer haben möchte, der Millionen von Koffeinpflaster implementiert bekommen hat und absolut nicht weiß, was Schlaf ist.

 

Und wer einmal völlig vergessen hat, dass man tanken muss, kann inmitten seiner eher mauen Situation den Pannendienst rufen, der den Tank an Ort und Stelle auf ÂŒ des Volumens befĂŒllt, was einen hohen Kostenbetrag zur Folge hat. Selbst das Volltanken danach ist gĂŒnstiger. Wem es einmal gelĂŒstet, kann beim nĂ€chsten Werkstattbesuch nicht nur seinen LKW reparieren, sondern auch in Sachen Motorleistung, Fahrverhalten und Treibstoffverbrauch aufrĂŒsten, letzteres sogar in 3 statt 2 Stufen. Wer sein GefĂ€hrt voll aufrĂŒstet, wird schon einige Unterschiede bemerken. Man kann dem eigenen LKW auch eine andere Farbe verpassen, man sieht allerdings erst im Nachhinein, wie das aussieht.

Vor allen Dingen die InnenrĂ€ume der LKW sind nett anzusehen. Sogar der Blinkerhebel bewegt sich, sobald dieser betĂ€tigt wird. Das Tacho verfĂŒgt ĂŒber bewegliche Anzeigen und einem Bordcomputer, der den Spritverbrauch, die verschiedenen Temperaturen im Motor und die Geschwindigkeit anzeigen kann. ZusĂ€tzlich lĂ€sst sich ein Tempomat aktivieren, um die Geschwindigkeit konstant zu halten, auch wenn der LKW dann beim Einschalten eigenartigerweise ein bisschen runterbremst. Wer den Tempomat einstellen möchte, muss diesen deaktivieren, gewĂŒnschte Geschwindigkeit fahren und wieder aktivieren, Feinregulierungen gibt’s nĂ€mlich nicht.

NatĂŒrlich bietet das Spiel auch einen Tag/Nachtwechsel, zur Abendszeit wird’s dunkel und am frĂŒhen Morgen wird es hell. In der Zwischenzeit können die Scheinwerfer eingeschalten werden, selbst am Fernlicht stört sich die KI nicht. Eine VerĂ€nderung des Wetters gibt es ebenfalls, denn es fĂ€ngt im Laufe des Spiels auch an zu regnen und zu donnern. Hier lohnt es sich dann, den Scheibenwischer anzuschmeißen, der die eher putzig aussehenden Tröpfen von der Scheibe entfernt. Zudem ziehen die Fahrzeuge eine kleine Gischtspur hinter sich. Schade, dass der Regen keinerlei Einfluss auf das Fahrverhalten hat, die Regentropfen verschwinden allerdings, sobald man unter einem Dach oder in einem Tunnel ist. Im Ansatz richtig, aber man hat hier eher zu weit gedacht.

Mit den AufrĂŒstungen wird man irgendwann nicht sehr weit und vor allen Dingen nicht sehr schnell ankommen, weshalb man sich nach einem neuen GefĂ€hrt umschauen möchte. Hier gibt es allerdings das Problem, erstmal eine Stadt zu finden, die ĂŒberhaupt eine Werkstatt mit angebundenem FahrzeughĂ€ndler anbietet wie etwa Paris. Leider hat man vergessen, dafĂŒr unterschiedliche Symbole anzuzeigen. Hat man aber einen HĂ€ndler gefunden, kann man sich nach einer Kamerafahrt umschauen. Bei den Noname-Karossen handelt es sich um Nachbauten von Mercedes-Benz, Renault, Volvo und Scania. Von jedem gibt es nur ein Modell, jeweils unterteilt in den Klassen A, B und C, wovon A die schnellste und C die langsamste ist. Mit sehr viel Geduld schafft man es dann zum 660 PS starken Koloss, wo es bei der Fortbewegung keinen Unterschied macht, ob man einen HĂ€nger zieht oder nicht.

Sucht man nach einigen Details, wird man schnell merken, dass diese fehlen. Man ist zu 95% auf mehrspurigen Straßen unterwegs. Und ist man einmal auf einer Landstraße unterwegs, dann fĂŒhrt diese nur zur Firma und man begegnet keinem anderen Fahrzeug. Zwar bieten einige Autobahnabschnitte an den Seiten hin und wieder nette GebĂ€ude oder SehenswĂŒrdigkeiten, aber ein bisschen mehr Abwechslung hĂ€tte man hier schon bieten können.

Vor allen Dingen die StĂ€dte sind ein Witz. Klar, wenn man ganz Berlin nachbilden wĂŒrde, wĂ€re das zu extrem gewesen, aber es sieht so aus, als wĂ€re nur ein winzigkleiner Teil der StĂ€dte befahrbar. Wie alles im Spiel Ă€hneln sich die StĂ€dte zu sehr im Aufbau, es gibt nur winzige Unterscheidungsmerkmale wie etwa der Eiffelturm in Paris oder der Fernsehturm in Berlin. Es gibt nur ein paar Straßenkreuzungen, ein oder zwei Firmen, eine Werkstatt, ggf. mit HĂ€ndler, das wars.

Die KI ist unberechenbar. In vielen Momenten fahren die sonst unauffĂ€llig an einem vorbei, jedoch können sie in einigen Situationen zu einem gefĂ€hrlichen Hindernis werden. So kommt es auf einem freien Autobahnabschnitt zu plötzlichen Verzögerungen, obwohl weit und breit nichts ist. Mit etwas Pech haben die Fahrzeuge eine enorme Bremskraft und man beschĂ€digt sie. Zumal man nur das GerĂ€usch vernimmt, auf Lack zu kratzen. Quietschende Reifen gibt es nĂ€mlich nicht. Gut zu beobachten sind die Verzögerungen besonders an Autobahnkreuzen, hier fahren alle aus völlig unbekannten GrĂŒnden sehr langsam. Und wer was richtig eigenartiges probieren möchte, fĂ€hrt auf einen Standstreifen, schmeißt die Warnblinkanlage an und wartet. Binnen weniger Minuten hat man  nicht nur hinter sich, sondern auch auf der Gegenfahrbahn einen Stau verursacht.

Vor allen Dingen sind die Herausforderungen nicht ganz durchdacht. Man kann zwar schon mithilfe eines Sternesystems aufsteigen zum Meister, man kann neue LÀnder freischalten und es gibt Bestrafungen, die einen Geld abziehen, sollte man z.B. zu schnell fahren oder ein Fahrzeug rammen. Es existiert allerdings kein Zeitlimit. Man kann sich zu seinem Ziel so viel Zeit lassen, wie man nur möchte. Ein Zeitlimit wÀre zwar in Kombination mit dem fehlenden Navigationssystem eine ziemlich harte Herausforderung geworden, ein nettes Extra wÀre es dennoch. Zumal der Spritverbrauch eher unrealistisch ist und sich nach dem Kilometerstand richtet. Selbst wenn man den LKW im Leerlauf ausrollen lÀsst, verbraucht man Sprit.

Und dann andere Kleinigkeiten: feste Kennzeichen. Teilweise kann man einen AnhÀnger mit tschechischem Kennzeichen aus Frankreich abholen. Oder die StÀdte, die furchtbar öde wirken durch die fehlenden Leute, in Amsterdam etwa ist 24/7 der Supermarkt dicht. Polizeifahrzeuge gibt es nicht, man kriegt dennoch seine Strafen.

Wer vor allen Dingen aufsteigen möchte, braucht viel Geduld. Sowas wie die Möglichkeit, Fahrer einzustellen, Garagen zu kaufen oder ein eigenes Frachtunternehmen zu leiten, gibt es nicht. Man ist komplett auf sich alleine gestellt und muss alleine den weiten Weg des Aufstiegs erarbeiten. Wer diese enorme Geduld aufwenden kann, verdient meinen Respekt. Denn wie sang Xavier Naidoo einst: „Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer.“. Schwer ist dieser zwar nicht unbedingt, aber lang wird er sein. Sehr lang.

Fazit

Europa in einem LKW-Fahrsimulator, mit dem „Euro Truck Simulator“ hat man diese Spielwelt nun auf seinem Bildschirm. Von Warschau ĂŒber Rom bis nach Lissabon. Klingt ordentlich, wĂŒrde alles mal irgendwie abwechslungsreicher aussehen. Die eine Gegend sieht wie die andere aus. Zwar wird man mit einem leichten Einstieg und einem realtiv idiotensicheren Karrieremodus belohnt, aber das ist mir persönlich alles zu wenig. Die mĂŒhselig erreichbaren Aufstiegschancen tun ihr ĂŒbriges. Der nur vier Jahre spĂ€ter erschienene Nachfolger ist deutlich motivierender und hat eindeutig mehr zu bieten.

4 /10

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Bewertung: 4.8/5 (8)

Review: Bus Driver Gold

kepu am 4.April 2018 um 14:04:41

Simulationen, wo man mit einem Bus Passagiere von A nach B transportiert, auch wenn man Haltestellen von A bis Z anfahren muss, gibt es wie Sand am Meer. Simulationen, wo man allerdings mit recht abstrusen und eigenartigen Herausforderungen zu kĂ€mpfen hat, da sie mit einem hohen Grad an SensibilitĂ€t glĂ€nzen, bilden da eher eine Seltenheit. Konkret geht es um das Spiel „Bus Driver“, welches 2007 von SCS Software entwickelt wurde. Ja, genau von den Herrschaften, die auch fĂŒr das sehr gute „Euro Truck Simulator 2“ verantwortlich sind. Aber hier geht es nicht um das Original, sondern die drei Jahre spĂ€ter erschienene „Gold“ genannte Version, die neben dem Standard-Umfang ein paar kleinere Extras mitbringt, die man aber hĂ€tte genauso gut in ein Update packen können.

Bei aller MerkwĂŒrdigkeit: das Spiel kommt mit einer netten Aufmachung. Einsame Busse mit Grinse-Smiley statt Liniennummer fahren durch die schicke PrĂ€rie, die die virtuelle Umgebung zu bieten hat. Sonst gibt es ein schlichtes MenĂŒ, welches einen bequem die Möglichkeit bietet, zwischen den 6 Stufen auszuwĂ€hlen (ursprĂŒngliche Version hatte 5), die jeweils 6 Busfahr-Missionen beinhalten. Es gibt ein paar Busse zur Auswahl, doch im Laufe der Zeit kann es vorkommen, dass man den Bus vom Anfang spĂ€ter nochmal hat, jedoch mit einer anderen Route. Es ist allerdings alles von Anfang an freigeschaltet, also kann selbst ein Neueinsteiger mit den schwereren Sachen beginnen. Das nimmt ein bisschen die Spannung auf die spĂ€teren Routen.

Hat man den recht kurzen Ladebildschirm ĂŒberwunden, startet man in den allermeisten FĂ€llen von einem Busbahnhof, wo man vorerst eine gewisse Menge an Leuten abholen muss. Die Passagiere werden abgeholt von Haltestellen, die stark grĂŒn leuchten und mit einem Grinse-Smiley einen zum Anhalten bewegen sollen. Grafische Meisterleistungen darf man hier nicht erwarten, denn die FahrgĂ€ste „beamen“ sich in den Bus rein. Immerhin hat man sich darum bemĂŒht, diese im Bus wieder auftauchen zu lassen.

Die Routen werden allesamt getĂ€tigt in einer recht großen Stadt, die dem Spieler leider nicht die Möglichkeit gibt, diese frei zu erkunden. Es sei denn, man startet eine Route und fĂ€hrt nicht die entsprechende. Man kriegt dabei sĂ€mtliche Gegenden geboten: Industrie, Altstadt, Flughafen, Schnee etc. Dabei gibt es normalen Personentransport, Schulbusbetrieb, Touristenfahrten oder sogar die Beförderung von GefĂ€ngnis-Insassen. Je nach Stufe sind die Routen auch unterschiedlich lang, am Ende erwartet dem Spieler sogar eine komplette Umrundung der Karte.

Die HUD im Spiel wirkt wie das eigentliche Spiel in Breitbild umschlossen von Schildern. Punkte, Gesamtpunktzahl, Karte mit Distanz zur nĂ€chsten Haltestelle, wie viele Haltestellen noch kommen mit Countdown, wann man an dieser erscheinen soll, wie viele Leute im Bus sind, wie ihre Stimmung ist, Geschwindigkeit in mph und Drehzahlmesser. Bemerkenswert ist da eine Messung der Bremse. Denn hier muss man vorsichtig mit dieser umgehen. Die FĂŒlle an Informationen haut einem dezent um.

WĂ€hrend der Fahrt wird man mit einer derben SensibilitĂ€t des Punktesystems konfrontiert. GefĂŒhlt kriegt man fĂŒr jede positive Kleinigkeit Punkte. Perfektes Anhalten an einer Haltestelle, das simple Losfahren von einer Haltestelle, das Überfahren einer grĂŒnen Ampel, sogar fĂŒr einen Spurwechsel, den man mit Blinken ankĂŒndigt, gibt es Punkte. Gerade dadurch kann man absurd viele Punkte sammeln. Doch man kriegt fĂŒr einige Sachen auch Minuspunkte. Starkes Abbremsen, was zu einer angeblichen Verletzung der Passagiere fĂŒhrt, Überfahren einer roten Ampel, UnfĂ€lle bauen oder Spurwechsel ohne Blinken. Man kann auch an einer Bushaltestelle Passagiere vergessen oder die TĂŒr wĂ€hrend der Fahrt öffnen und es gibt Minuspunkte. Baut man zu viel Mist, wollen von etwa 30 Passagieren nicht etwa 3 an der nĂ€chsten Haltestelle aussteigen, sondern 30, also alle. Entsprechend Ă€ndert sich der Stimmungsbarometer.

Einzige Ausnahme ist da die Beförderung von GefÀngnis-Insassen. Dort gelten die Verkehrsregeln nicht und man wird von der Polizei mit Helikoptern begleitet. Hier hÀlt man auch nicht an Haltestellen, sondern passiert Checkpoints. Die Insassen sind von Beginn an in einer miesen Stimmung, baut man allerdings ein paar UnfÀlle, jubeln diese und die Stimmung geht hoch. Ziemlich dubios.

Einige Routen fĂŒhren durch Schneegebiete, da greift sogar eine Art Fahrphysik. Lenkt man einmal zu krĂ€ftig, schleudert man durch die Gegend und neigt eher dazu, UnfĂ€lle zu bauen. Es gibt allerdings nur Reaktionen, wenn man beim „Schleudergang“ einen Unfall baut oder heftig aufschlĂ€gt. Wenn man das allerdings gut kontrollieren kann, stören sich nicht einmal die stehenden FahrgĂ€ste. Und ja, es gibt stehende FahrgĂ€ste, wenn keine SitzplĂ€tze im Bus frei sind.

Hat man einmal seine Tour beendet, werden die Punkte zusammengezĂ€hlt. Diese ergibt sich aus der Anzahl der beförderten GĂ€ste, der eingehaltenen Zeit, der Boni wĂ€hrend der Fahrt abzĂŒglich der Strafen. Wer eine vierstellige Punktzahl erreicht hat, wird bejubelt und kriegt einen goldenen Stern fĂŒr diese Route verliehen, fĂŒr eine etwas niedrigere Zahl immerhin Applaus und einen blauen Stern. Man mĂŒsste aber außerordentlich viel Mist bauen und einige FahrgĂ€ste vergessen, um ĂŒberhaupt auf negative Punkte insgesamt zu kommen, somit gibt es fĂŒr Pessimisten keinerlei Bedenken, hier irgendwie ans Verlieren zu denken. Selbst wenn man alle FahrgĂ€ste mitnimmt, sich aber nicht so ganz auf die Verkehrsregeln konzentriert, kann man genug Punkte fĂŒr einen blauen Stern kriegen. Richtig schwer klingt das nicht.

Schwerer ist es da lediglich, die FahrgĂ€ste allesamt pĂŒnktlich an ihren Haltestellen ankommen zu lassen. Bemerkt man das ĂŒberempfindliche System, wird man schnell merken, dass man im Laufe der Missionen kaum in der Lage sein wird, ĂŒberhaupt pĂŒnktlich ankommen zu können.

Doch wie kann man das Spiel technisch bewerten? Beim Test erwies es sich als stabil, vor allen Dingen die Ladezeiten sind erstaunlich kurz. Grafisch ist es keine Wucht, allenfalls durchschnittlich, aber nicht allzu unterirdisch. Die erste Version beinhaltete nur eine einzige Third-Person-Perspektive, wodurch man allerdings die vorderen Fahrzeuge bzw. die Haltelinie an einer Ampel nicht erkennen konnte, was vom Spiel allerdings durch eine vorĂŒbergehende Transparenz des Busses gelöst wurde. In der Gold-Version gibt es nun eine Art Frontscheiben-Perspektive, die vom Spiel allerdings als „Fahrerperspektive“ bezeichnet wird. Sonderlich spannend wirkt sie nicht unbedingt, sie umgeht lediglich das Sichtproblem. Steuern kann man die Kamera nicht.

Die akustische AtmosphĂ€re ist sogar recht gut gelungen, bei entsprechenden Umgebungen passt die Soundkulisse. Am Flughafen hört man Flugzeuge, im Industriegebiet das Zischen der Schornsteine und so weiter. Steigen bzw. „beamen“ sich Kinder in den Bus, hört man auch lachende Kinder. Selbst die Busse klingen außerordentlich realistisch. Nur das BlinkergerĂ€usch ist recht eintönig.

Und die KI? Die macht einen eigenartigen Eindruck. Zwar ist der Verkehr in einigen Teilen recht belebt, selbst andere Busse fahren durch die Gegend. Doch es ist ĂŒberaus bemerkenswert, wie alle Verkehrsteilnehmer sehr flott an einer Ampel bremsen können. Alleine die Busse praktizieren diese seltsam flotte Bremstechnik, wo bei uns sich die Passagiere ĂŒber Verletzungen beklagen und panisch rumschreien wĂŒrden. Selbiges beim Anfahren von einer Ampel, selbst gleich schwere Fahrzeuge wie unseres besitzen fabelhafte Beschleunigungswerte, als wĂŒrden die einen leichten Kleinstwagen mit sehr vielen PS fahren. Immerhin wechseln sie hin und wieder realistisch die Spur. Nur halten die anderen Busse nicht an den Bushaltestellen. Und Personen? Die sieht man einzig und allein nur an den Bushaltestellen, weshalb nur die Straßen, aber nicht die Gehwege belebt sind.

Fazit

Im „Busfahrer“ genannten Spiel sind wir ein Busfahrer. Nicht mehr, nicht weniger. Man befördert Personen von A nach B und sammelt durch viele Kleinigkeiten Punkte. Da die ganzen Routen bis auf die Beförderung der GefĂ€ngnis-Insassen kaum Abwechslung bei der Aufgabe bieten, ziehen sich die insgesamt 36 (im Original 30) Routen wie Kaugummi. Man fĂ€hrt zwar durch nett aussehende und abwechslungsreiche Gegenden, doch man tut immer das Gleiche. Und in den Missionen passiert auch nichts Spannendes. FĂŒr den Durchschnittsspieler ist dieses Spiel nur eine eher langweilige Herausforderung, fĂŒr Fans von Simulationen dĂŒrfte das Spiel gerade wegen der SensibilitĂ€t und dem Umfang der Routen schon eher ihren Geschmack betreffen. Der Frust kommt dann eher durch die verschwendete Zeit, nicht durch die spielerischen Macken, die dieses Durchschnittswerk beherbergt.

6 /10

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Bewertung: 5.0/5 (5)