Abandonware – ist der Download legal oder illegal?

Abandonware – ist der Download legal oder illegal? Es krĂ€ht wohl kein Hahn danach, wenn wir mal irgendein Ă€lteres Retro-Spiel, dessen Entwickler und Publisher im Bestfall schon lĂ€ngst das Zeitliche gesegnet haben, aus dem Internet ziehen und konsumieren. Auch Google scheint sich dafĂŒr kaum zu interessieren, denn kurz den Wunschtitel in die Suche gehĂ€mmert mit … weiter

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Abandonware – ist der Download legal oder illegal?

Malte am 24.Dezember 2017 um 12:12:24

Abandonware – ist der Download legal oder illegal? Es krĂ€ht wohl kein Hahn danach, wenn wir mal irgendein Ă€lteres Retro-Spiel, dessen Entwickler und Publisher im Bestfall schon lĂ€ngst das Zeitliche gesegnet haben, aus dem Internet ziehen und konsumieren. Auch Google scheint sich dafĂŒr kaum zu interessieren, denn kurz den Wunschtitel in die Suche gehĂ€mmert mit einem „Download“-AnhĂ€ngsel und schon bekommen wir zig treffende Ergebnisse aus dem Index ausgespuckt.

Vermeintlich legalisiert wird das gerne mit dem Begriff „Abandonware“, grob gesagt Spiele, die stillgelegt oder verwaist wurden. Das bedeutet, die Rechte wurden entweder an ein neues Unternehmen verkauft, die jedoch kein Ansporn haben, die Marke fortzufĂŒhren, die ursprĂŒnglichen Rechteinhaber sind nicht lĂ€nger existent oder die Inhaberschaft gilt als unklar. Wikipedia listet dazu Folgendes:

  • (kommerzielle) Software, deren Rechte und/oder Quelltext bei einer nicht mehr existierenden Firma liegen,
  • (kommerzielle) Software, deren Rechte bei einer existierenden Firma liegen, diese aber kein Interesse an einem Support hat,
  • (kommerzielle) Software einer weiter existierenden Firma, welche Weiterentwicklung und Support leisten will, dieses aufgrund verlorener oder fehlender Rechte jedoch nicht darf,
  • quelloffene Software, welche keinen Maintainer mehr besitzt.

Anders sieht das aber aus, wenn Entwickler oder Publisher eine kommerzielle Software offiziell zum kostenfreien Download freigegeben haben, unter einem neuen Lizenzierungsmodell, wie es zum Beispiel bei Red Baron 3D oder Beneath a Steel Sky der Fall war. Nur spricht man dann nicht mehr von Abandonware, denn der Status ist eindeutig deklariert, die Software entkommerzialisiert.

Ein kĂŒrzliches Beispiel fĂŒr Probleme oder KuriositĂ€ten, die damit einhergen, ist No One Lives Forever. Ein Spieler hat sich mal eben gedacht, einen Download kostenlos mit beiden Teilen auf einer eigenen Webseite hochzuladen, der alle Patches und einen Widescreen-Support enthĂ€lt, und diesen als „NOLF Revival“ zu vermarkten. Trotz medialer PrĂ€senz dessen gibt es bislang keinerlei Meldung von irgendeiner Stelle im Sinne von „Hey das ist unser Spiel, nimm das runter oder wir verklagen dich!“, da die Rechte von No One Lives Forever keinem Inhaber zugeordnet werden können oder sich besser gesagt dafĂŒr niemand interessiert, denn wir berichteten vor lĂ€nger Zeit, dass Night Dive Studios eigentlich Markenrechte erlangt haben und an Neuauflagen arbeiten soll. WeiterfĂŒhrend ein hervorragender Artikel von Rock, Paper, Shotgun

The end result being, no one knows who owns NOLF, but no one involved is willing to relinquish their potential rights for the sake of seeing a game they’ve no interest whatsoever in selling being available to buy.

Auch im Sinne der Datenerhaltung und Datensicherung ist Abandonware belastet. Wenn sich plötzlich niemand mehr fĂŒr etwas interessiert, denn so ist beispielsweise auch der Verlust des Quellcodes möglich.

Ist es nun legal, wenn ich Abandonware irgendwo kostenlos herunterlade? đŸ˜±

Da das Softwareprodukt nicht von den ursprĂŒnglichen Inhabern oder den gegenwĂ€rtigen an ein neues Lizenzierungsmodell knĂŒpft, wie etwa GPL oder Creative Commons, oder der Quellcode veröffentlicht wurde, ist ein Download eines als Abandonware deklarierten Titels im eigentlichen Sinne absolut nicht legal. Abandonware ist kein Freibrief, denn ein einmal kopiergeschĂŒtztes Werk wird nicht automatisch ein öffentliches Gut, weil es „alt“ ist, „sich dafĂŒr ja eh keiner mehr interessiert“ oder die Inhaberschaft als schwammig gilt. Und bloß das umschreibt „Abandonware“.

Aber wen interessiert’s. Dass an „verwaisten Spielen“ hĂ€ufig niemand Drang verspĂŒrt, Eigentum anzumelden, und selbst ein Uploader, der auf etablierten Webseiten die Runde gemacht hat, irgendwie keine Post bekommt, zeigt das eben genannte Beispiel merklich.

Weiterhin gibt es bekannte Abandonware-Seiten, die seit geraumer Zeit existieren und locker flockig tausende Retro-Spiele auf ihre Plattform hochladen. Aber statt sich großartig mit den rechtlichen Gegebenheiten auseinanderzusetzen, verfolgen diese eher die Haltung „wo kein KlĂ€ger, da kein Richter“. Und einen KlĂ€ger wird es in den meisten FĂ€llen nicht geben, zumal solche Produkte eine Wirtschaftlichkeit nicht lĂ€nger beeinflussen. Die Gefahr der RufschĂ€digung fĂŒr den klagenden Entwickler oder Publisher und der damit verbundene Aufwand ist wohl zu groß.

Etwas frech wird’s dann allerdings, wenn Abandonware-Seiten damit anfangen, aus Erzeugnissen anderer Personen selbst zu schöpfen, etwa mit einer Premium-Mitgliedschaft oder einer direkten PayPal-Zahlungsmöglichkeit, um einen ausgewĂ€hlten Titel herunterladen zu können. Stolperte ich als ehemaliger Entwickler darĂŒber, wĂŒrde mir das durchaus stinken.

Was genau macht eigentlich GOG.com? đŸ€·

GOG.com saugt selbstverstĂ€ndlich keine Spiele aus dem Internet, lĂ€dt sie einfach hoch und verkauft sie. Sie verfolgen die Strategie, Spiele aus ihrem Status genau der Abandonware, der Unklarheit, zu befreien, suchen die Besitzer und fragen eine Neuveröffentlichung an, ganz im Sinne von „Digital Distribution“. Das ist insofern clever, da davon auszugehen ist, dass sich das Brot geteilt wird, sowohl GOG.com einen Teil der Einnahmen einzieht, als auch die gegenwĂ€rtigen Rechteinhaber. Spiele, die nicht an einen Inhaber adressiert werden können, oder der sich schlicht weg einen feuchten Kehricht schert, finden letztendlich auch bei GOG.com keine Obhut, wie beispielsweise auch No One Lives Forever.

Zusammenfassung

Der Download von Abandonware ist nicht legal, denn es handelt sich im gelĂ€ufigen Sinne nach wie vor um kommerzielle Software, die unter keinen freien Lizenzmodellen steht, zumal der Begriff sensibilisiert angewendet wird, um als Freibrief oder Rechtfertigung zu fungieren. Wurde die Software vom Rechteinhaber entkommerzialisiert, spricht man nicht lĂ€nger von Abandonware. Ob der Konsum von Abandoware aber irgendjemandem bitter aufstĂ¶ĂŸt, sei dahingestellt – was aber die rechtliche Lage nicht beeinflusst.

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