Lokalisierung von Videospielen – mehr als eine Notwendigkeit

Der Begriff „Lokalisierung“ beschreibt die sprachliche und kulturelle Anpassung an den Zielmarkt. Sie stellt sicher, dass alle Teile eines Videospiels, von der Verpackung bis zur Software, optimal angeglichen sind. Wenn man ein Spiel eines westlichen Herstellers auf den asiatischen Markt bringen will, ist es wichtig zu bedenken, dass es sich hierbei um zwei grundlegend verschiedene … weiter

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Lokalisierung von Videospielen – mehr als eine Notwendigkeit

Lingo24.com am 25.April 2013 um 15:04:29

Der Begriff „Lokalisierung“ beschreibt die sprachliche und kulturelle Anpassung an den Zielmarkt. Sie stellt sicher, dass alle Teile eines Videospiels, von der Verpackung bis zur Software, optimal angeglichen sind. Wenn man ein Spiel eines westlichen Herstellers auf den asiatischen Markt bringen will, ist es wichtig zu bedenken, dass es sich hierbei um zwei grundlegend verschiedene Kulturen handelt, was sich auch in der Gameszene bemerkbar macht. WĂ€hrend es sich bei westlichen Kulturen um Low-Context Kulturen handelt, sind asiatische Kulturen High-Context Kulturen. Sie unterscheiden sich unter anderem darin, dass westliche Kulturen sehr vom Individualismus geprĂ€gt sind, wohingegen in asiatischen Kulturen der Kollektivismus eine große Rolle spielt. Sie heben sich in weiteren maßgeblichen Punkten voneinander ab, was bei der Lokalisierung eines Videospiels unbedingt zu berĂŒcksichtigen ist.

Der asiatische Markt bietet Unternehmen aller technischen Bereiche vielfĂ€ltige Möglichkeiten. Zum einen lebt mehr als die HĂ€lfte der gesamten Erdbevölkerung auf diesem Kontinent und zum anderen verfĂŒgt ein Großteil ĂŒber einen Internetanschluss. Will man einen der zahlreichen MĂ€rkte auf dem asiatischen Kontinent erobern, muss man sein Unternehmen und seine Produkte darauf abstimmen. Das gilt auch bei der Vermarktung von Videospielen, die mithilfe von Lokalisierungen an den jeweiligen Markt angepasst werden können.

Sprachliche Lokalisierung

Ein erster wichtiger Schritt bei einer Lokalisierung ist die sprachliche Adaption, die unter anderem Verpackungstexte, Produktbeschreibungen und Untertitel umfasst. In Asien werden hunderte von Sprachen gesprochen. Wer sich entscheidet, ein deutsches Spiel in Japan zu veröffentlichen, wird Texte im Videospiel ĂŒbersetzen lassen mĂŒssen. Eine korrekte Übersetzung sollte eigentlich selbstverstĂ€ndlich sein, wenn man im Zielland Eindruck machen will.

Das gelingt jedoch nicht allen Herstellern. Immer wieder unterlaufen den Übersetzern Fehler, die entweder einfach nur falsch oder unfreiwillig komisch sind. „27th of Letzter Samen”, lautet die ĂŒbersetzte Version der Datumsangabe in der deutschen Version des Spiels „The Elder Scrolls 4: Oblivion“. Hier hat der Übersetzer einen Fehler gemacht, die Übersetzung ist einfach falsch. Über solche Fehler kann ein Spieler eventuell noch hinwegsehen, da sie keinen Einfluss auf das SpielvergnĂŒgen haben. Weitaus gravierender sind Fehler, die dem Spieler den Spielspaß verderben, weil er aufgrund der falschen Übersetzung nicht im Stande ist, das Ziel des Spiels zu erfĂŒllen. Wer in „Ravenhearst 2“ einen „Kompass“ sucht, eigentlich aber einen „Zirkel“ finden soll, ist enttĂ€uscht und bricht das Spiel unter UmstĂ€nden ab. Dabei ist dem Übersetzer nicht einmal unbedingt ein Vorwurf zu machen, da das englische Wort „compass“ gleichzeitig „Kompass“ und „Zirkel“ bedeutet.

Wenn es um Spielanweisungen geht, sind diese in Deutschland meist sehr genau, sodass der Spieler diese auch gut befolgen kann. In Asien dagegen, in High-Context Kulturen, ist Kommunikation viel subtiler, was man beim Lokalisierungsprozess auf alle FĂ€lle miteinbeziehen sollte.

Lokalisierung von Animationen, Grafiken, Audio- und Videoinhalten

Ein weiterer Teil der Lokalisierung ist die Zusammenarbeit zwischen Programmierern, Grafikern und Übersetzern. Programmierer sollten Textinhalte nicht hart kodieren, sondern ĂŒber Datenbanken in das Programm einfließen lassen. Das erleichtert die Arbeit des Übersetzers enorm. Auch bei In-game Texten ist die Zusammenarbeit zwischen Übersetzer und Programmierer sehr wichtig. ErhĂ€lt man in einem In-game Text nur noch die HĂ€lfte der ursprĂŒnglichen Spielanweisung, ist das nicht gerade förderlich fĂŒr den Spielspaß. WĂ€hrend ein in Deutschland produziertes Videospiel bei Animationen meist gediegener wirkt, sind ihre angepassten asiatischen Pendants meist reicher an Animationen.

High-Context Kulturen bevorzugen viele Animationen und können mehr grafische Inhalte verarbeiten, da sie sich die benötigten Informationen selbst suchen. Bei Spielcharakteren scheiden sich ebenfalls die Geister. Japaner beispielsweise ziehen kindlichere Charaktere vor, wohingegen westliche Spieler Ă€ltere Figuren bevorzugen. Daher werden Charaktere des westlichen Markts oft einem VerjĂŒngungsprozess unterzogen. Das ist beispielsweise beim deutschen Browserspiel „Grepolis“ der Fall. In Europa fĂŒhrt ein betagter Odysseus durchs Spiel, in Japan dagegen ist es die junge, leichtbekleidete Psyche.

Kulturelle und Rechtliche Anpassungen

Beim Lokalisierungsprozess eines Videospiels sollten auch kulturelle Eigenheiten berĂŒcksichtigt werden. WĂ€hrend in Deutschland Rechtsverkehr herrscht, fĂ€hrt man im Land der aufgehenden Sonne nĂ€mlich links. Bringt man ein Autorenspiel heraus muss man das beachten, um grĂ¶ĂŸten Spielspaß zu garantieren.

Auch historisch behaftete Symbole und Inhalte sollten angepasst werden. In der japanischen Version des Videospiels „Fallout 3“ zum Beispiel wurde aus RĂŒcksicht auf die Opfer der Bombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki die Mission weggelassen, in der eine Stadt durch eine Atombombe zerstört wird. Neben kulturellen Besonderheiten sollte man auch staatliche Rechtsinstanzen stets auf dem Radar haben. Wer als Game-Hersteller staatlich-rechtliche Stellen ignoriert, kann sich seine Umsatzchancen ganz schnell verbauen. Hierzu gehören zum Beispiel AltersbeschrĂ€nkungen, die von Land zu Land variieren und unbedingt beachtet werden mĂŒssen.

Es gibt auch auf dem asiatischen Markt Regeln, an die man sich strikt halten muss. In China beispielsweise ist die Darstellungen von Skeletten und Knochen in Videospielen strengstens untersagt, sie mĂŒssen in China „angezogen“ werden. Will man also ein Videospiel lokalisieren sollte man sich bereits im Voraus genau ĂŒberlegen, welche Teile man adaptieren möchte.


Über den Autor: Christian Arno ist der GrĂŒnder von Lingo24, einem Übersetzungsunternehmen, das sich auf Website-Übersetzung spezialisiert. Folge Lingo24 auf Twitter @l24de.
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