Sniper Elite V2: Test, Review

Wie ich sie hasse. ScharfschĂŒtzen in Multiplayer-Spielen. Ob Battlefield, Star Wars Battlefront oder Team Fortress 2 – sie verderben mir als normalen Soldat die Spiellaune. Aber eine Sache gibt es definitiv nicht zu bemĂ€ngeln: Die EffektivitĂ€t der ScharfschĂŒtzen. FĂŒr eine gewisse Zeit ungesehen rĂ€umen sie das Schlachtfeld mĂ€chtig auf, unterstĂŒtzen Fußsoldaten und haben meist einen … weiter

» Taktischer Shooter

Sniper Elite V2: Test, Review

Malte am 13.Juni 2012 um 13:06:56

Wie ich sie hasse. ScharfschĂŒtzen in Multiplayer-Spielen. Ob Battlefield, Star Wars Battlefront oder Team Fortress 2 – sie verderben mir als normalen Soldat die Spiellaune. Aber eine Sache gibt es definitiv nicht zu bemĂ€ngeln: Die EffektivitĂ€t der ScharfschĂŒtzen. FĂŒr eine gewisse Zeit ungesehen rĂ€umen sie das Schlachtfeld mĂ€chtig auf, unterstĂŒtzen Fußsoldaten und haben meist einen hervorragenden Überblick. In Sniper Elite V2 steuern wir sogar einen EinzelgĂ€nger, der es gleich mit der halben deutschen Nazi-Wehrmacht aufnehmen soll. Inwiefern diese Übermacht glaubwĂŒrdig verkauft wird und ob das Spiel einem Gegner der ScharfschĂŒtzen Spaß machen kann, erfahrt Ihr in den folgenden Zeilen!

 

Historische HintergrĂŒnde

Zeitlich angesiedelt ist Sniper Elite V2 gegen Ende des zweiten Weltkrieges. Die Roten waren einmarschiert und es wurde um jeden Fleck in Berlin gekĂ€mpft. FĂŒr Sniper Elite Namensgebend ist die Vergeltungswaffe 2, die von Deutschen Wissenschaftlern entwickelte erste ferngesteuerte Großrakete. SpĂ€ter wurde sie massenproduziert und kam gegen Ende des Krieges tatsĂ€chlich ĂŒber 3.000x zum Einsatz. Die Vereinigten Staaten bauten wĂ€hrenddessen an einer eigenen Atombombe. Als sie von den ersten Prototypen der V2 erfuhren, hatten sie allerdings gerade den ersten Druckwasserreaktor in Betrieb genommen, der das fĂŒr die Atombombe verwendete Material „Plutonium“ herstellte. Eine funktionstĂŒchtige Atombombe war also noch nicht in absehbarer Zeit fertiggestellt. Der Bau der ersten einsatzfĂ€higen V2-Raketen musste also verhindert werden, und hier kommt unser Protagonist von Sniper Elite V2 ins Spiel, der hierbei eine Entscheidende Rolle spielen wird.

Die ersten Spielminuten im Krieg

Schon in den ersten Spielminuten wird die kalte AtmosphĂ€re dieses bitteren Krieges hervorragend vermittelt. Zerfallene HĂ€user, die Straßen mit Schutt und Asche ĂŒberfĂŒllt und keine zivile Menschenseele wagt es auch nur auf offener Straße umherzuirren. Nachdem wir im Prolog direkt ins Geschehen geworfen werden, liegt unser Ziel gar nicht weit entfernt, nur mĂŒssen wir es erst mal schaffen ungesehen von Deutschen durch die zerfallenen Ruinen zu schleichen. Zwar sind wir auch mit schallgedĂ€mpfter Pistole und einem kleinen Maschinengewehr fĂŒr den Nahkampf gerĂŒstet, doch unser ScharfschĂŒtze segnet schnell das Zeitliche wĂ€hrend eines direkten Gefechtes. Angekommen in einem mehrstöckigen, zerfallenen Wohnhaus mĂŒssen wir nur noch ein paar Augenblicke auf unser Ziel Hans von Eisenberg, einen fiktiven, leitenden Mitarbeiter der V2-Rakete, warten. Kurz anvisieren, Luft anhalten und abdrĂŒcken. Diesen Vorgang einfach wiederholen bis keine Feinde mehr in Sichtweite sind. So schnell können Ziele als ScharfschĂŒtze eliminiert werden. Der wichtigste Teilt liegt allerdings noch vor uns: Vor den jetzt alarmierten Nazis flĂŒchten, das Gebiet verlassen und dabei so viele direkte Waffengefechte vermeiden wie nur möglich.

Snipen, snipen, snipen

Zwar kommt man um die ein oder andere Schießerei nicht herum, das Hauptaugenmerk bleibt aber stets auf unserem ScharfschĂŒtzengewehr und direkte Ballereien aus der NĂ€he werden zu keinem Zeitpunkt ein zentrales Spielelement, sehr schön! Im weiteren Spielverlauf finden wir einige neue ScharfschĂŒtzengewehre, die beispielsweise ein grĂ¶ĂŸeres Zielfernrohr oder mehr StabilitĂ€t zu bieten haben. Das sich viele von ein StĂŒck weit BrutalitĂ€t doch immer wieder beeindrucken lassen, zeigt die an sich sehr gut in Szene gesetzt X-Ray-Kill-Cam, die in der Deutschen Version allerdings leider beschnitten wurde. Man sieht förmlich wie die abgefeuerte Kugel durch Haut und Knochen der getroffenen Gliedmaße dringt. Das ist zwar „nett“ anzusehen, eine normale Bullet-Time hĂ€tt’s allerdings auch getan. Die Soundeffekte wirken dabei immer knackig und stolze Besitzer einer 5.1 Anlage kommen auf ihre Kosten. Durch die UmgebungsgerĂ€usche können wir uns allerdings auch einen taktischen Vorteil verschaffen: So kann das Gewehr abgefeuert werden, wenn z.B. Kirchenglocken erklingen, ohne dass wir dabei gehört werden. An einigen Stellen liefern wir uns auch Gefechte mit anderen, deutschen Snipern, die sich zuweilen aber kaum von den anderen Snipereien (neues Wort!) nach Schema F unterscheiden.

Und wenn wir schon bei Schema F sind 


Das Missions- und Leveldesign hinterlĂ€sst allerdings einige, sichtbare, schlechte Spuren. So befinden wir uns in den 10 Levels meist in Berlin bei Tag, mĂŒssen zu einer geografisch hoch gelegenen Position vordringen, das ScharfschĂŒtzgewehr auspacken und ein paar Ziele niederschießen. Nur an wenigen Stellen erreicht das Spiel seine Höhepunkte in Sachen Abwechslung, wie zum Beispiel in einer unterirdisch gelegenen RĂŒstungsschmiede, in der die Produktion der ersten V2-Raketen beginnt. GrundsĂ€tzlich kann so ein Schema F ja funktionieren, siehe die Hitman-Serie, allerdings bietet Sniper Elite V2 weder alternative Lösungswege, noch wĂŒrde es sich lohnen irgendein Level erneut zu spielen, denn der Ablauf ist eben derselbe. Das Spiel startet Ă€ußerst stark, nach c.a fĂŒnf Levels pausiert man aber doch ganz gern ein paar Tage, denn im Grunde genommen weiß man schon, was auf einen zukommt, und vor allen Dingen, wie es endet. „Ziel ist Tod, nĂ€chstes Level.“
StorymĂ€ĂŸig hat mich Sniper Elite V2 ebenso wenig in seinen Bann gezogen. Der amerikanische Held bleibt blass und auch sonst gibt’s nichts Nennenswertes; die Zwischensequenzen habe ich nach einiger Zeit einfach weggedrĂŒckt, ohne das GefĂŒhl dabei gehabt zu haben, irgendetwas wichtiges verpasst zu haben.

Fazit

Sniper Elite V2 ist durch sein simples Spielprinzip zweifelsohne ein reizvoller Titel. Die Entwickler haben es genauso geschafft, einfach das umzusetzen, was man sich unter einem Spiel mit einem ScharfschĂŒtzen als Protagoisten vorstellt, denn die Schießereien aus unmittelbarer NĂ€he werden an keiner Stelle zu einem zentralen Spielelement. Dass wir nicht allzu sehr auf Ballistik und weitere, physikalische Einwirkungen wie in ARMA 2 achten mĂŒssen, stört keineswegs. GewĂŒrzt wird das ganze durch AnsĂ€tze von Stealth-Elementen. Durch Schema F bleibt das Spiel zwar simpel, an vielen Stellen hĂ€tte man sich allerdings mehr Abwechslungsreichtum gewĂŒnscht. So wissen wir im Grunde genommen schon im ersten Level, was im letzten Level zu tun ist. Eine Story, die ich mit Spannung mitverfolgt hĂ€tte, wird auch nicht geboten, obwohl die Geschichte mit den V2-Raketen eigentlich eine gute Grundsubstanz gewesen wĂ€re. Weiteres Potential vergeudet Sniper Elite V2 durch eine absolut stumpfsinnige K.I. Kein einziger Gegner unterscheidet sich auch nur ansatzweise in seinem taktischen Vorgehen, wenn man es denn als solches ĂŒberhaupt bezeichnen darf. Trotzdem: Wer nach einem gemĂ€chlichen Action-Kracher mit ein paar Stealth-Elementen fĂŒr Zwischendurch sucht, und keine allzu großen Erwartungen hat, liegt mit Sniper Elite V2 goldrichtig, denn letztendlich erfĂŒllt es die Kriterien, die man sich fĂŒr einen kurzen Action-Trip wĂŒnscht.

Snipen macht Spaß rudimentĂ€re, langweilige Story
Koop-Modus fĂŒr mehrere Spieler stumpfsinnige Gegner
AtmosphÀre und Level wirken authentisch Durchweg Ablauf nach Schema F
grafisch alles Butter, auch wenn keine Revolution streng linear, schlechte Levelbegrenzungen
knackiger Sound
einfache, prÀzise Bedienung

 7 /10

Solider Sniping-Trip fĂŒr Zwischendurch

VN:F [1.9.22_1171]
Bewertung: 5.0/5 (6)