Victoria 2: Test, Review

Neben seinem Strategie Schwergewichten Europa Universalis und Hearts of Iron pr√§sentieren die Schwedischen Entwickler von Paradox mit Victoria 2 eine Strategie Simulation die das Zeitalter der Industrialisierung bis zum Ende des ersten Weltkrieges behandelt. Wie von dem Studio gewohnt sind ausnahmslos alle Nationen des damaligen Weltbildes spielbar. √úber das Britische Imperium zu den Sibirischen Steppen … weiter

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Victoria 2: Test, Review

Dominik am 12.März 2013 um 17:03:35

Neben seinem Strategie Schwergewichten Europa Universalis und Hearts of Iron pr√§sentieren die Schwedischen Entwickler von Paradox mit Victoria 2 eine Strategie Simulation die das Zeitalter der Industrialisierung bis zum Ende des ersten Weltkrieges behandelt. Wie von dem Studio gewohnt sind ausnahmslos alle Nationen des damaligen Weltbildes spielbar. √úber das Britische Imperium zu den Sibirischen Steppen des Russischen Zarenreiches, von der W√ľste Teherans bis zu dem mit W√§ldern bedeckten Lothringen sind alle V√∂lker spielbar. Nat√ľrlich z√§hlt neben Milit√§rischer St√§rke, guter Infrastruktur und Zufriedenheit der unterschiedlichen Bev√∂lkerungsschichten auch der Aufschwung von Wirtschaft und Forschung. Denn ohne diese beiden letzten Elemente ist euere Nation nur eine unter vielen aufstrebenden Staaten der Westlichen und √Ėstlichen Hemisph√§re. Ob sich ein Einstieg mit dem kaiserlichen Japan wohl eher lohnt als gleich mit den Franzosen die W√ľsten Afrikas zu kolonisieren kl√§rt unser Ausf√ľhrlicher Test.

F√ľr welche Nation soll ich mich entscheiden? Diese Frage d√ľrfte sich wohl jeder stellen der beim Anblick der Weltkarte, im Startmen√ľ, √ľber die Kontinente mit dem Mauszeiger schwebt und dabei Volksentscheidende Themen wie zivilisierte Nationen und Teilverwestliche L√§nder vorfindet. Generell macht gerade dieser Umstand den Unterschied aus. W√§hrend Europa und gro√üe Teile Amerikas bereits zu Spielbeginn mit dem Forschen von Hinterladern, Flie√üb√§ndern und Dampfschiffen beginnen k√∂nnen und ganz nebenbei Sozial und Politikreformen einleiten, kriechen Nationen wie √Ągypten, China oder Afrika noch am unteren Ende ihrer Industrialisierung und m√ľssen Ausl√§ndische Investoren und Milit√§rberater ins Land einladen um wenigstens einen Teil ihrer maroden Volkswirtschaft retten zu k√∂nnen. Denn ohne den Bau von Fabriken und des damit einher gehenden Wachstums k√∂nnen keine Armeen und Provinzen ausgebaut werden. W√§hrend Frankreich nationale Schwerpunkte wie etwa die F√∂rderung von Kapitalisten und Facharbeitern voran treibt ben√∂tigen V√∂lker wie jene des nahen Ostens vor allem Geistliche Wissenskraft um Forschungspunkte f√ľr ihre Verwestlichung zu ergattern. Um den Bau von Fabrikanlagen erstmal zu erm√∂glichen bedarf es einer Umsumme an Geld und Material, die wir nur mit Steuererh√∂hungen und Regulierung der Z√∂lle erreichen k√∂nnen. Als n√§chsten Schritt sollte gut √ľberlegt werden wo das geplante Wirtschaftswunder √ľberhaupt erstellt werden soll. Kolonien eignen sich hierzu √ľberhaupt nicht da ihre Bev√∂lkerungen nicht in der Lage sein werden die mit 10.000 Arbeitspl√§tze ben√∂tigte Raffinerie zu besetzen. Im Fall von Frankreich direkt im Mutterland und in Regionen mit hoher Population platzieren. Der letzte Schritt besteht nun lediglich darin eine in Planung befindliche Fabrik der erforderlichen Ressourcen anzupassen. Sind diese im eigenen Land nicht vorhanden sollte man auf den Bau verzichten und sich eine geeignetere  Anlage suchen. Der Besitz mehrerer Industrieller Komplexe ver√§ndert neben dem Geldbeutel vor allem die, in den jeweiligen Regionen, vorhandenen Arbeitskr√§fte. So werden aus Landarbeitern und Handwerkern schnell Facharbeiter die vor allem zu Beginn der neuen √Ąra sehr selten anzutreffen sind. Neben diesen beiden Nebeneffekten steigert die Organisierte Produktion auch unser Weltansehen und ehe man sich versieht landet man auf einen der insgesamt mit Acht Pl√§tzen belegten Weltrangliste der Gro√üm√§chte. Damit spielt nun Frankreich eine fundamentale Rolle im Gepl√§nkel um Macht und Einfluss in Europa.

Doch machen wir uns nichts vor, nur alleine durch Angebot  und Nachfrage kann man kein Reich und vor allem die Welt regieren. Dazu ben√∂tigt es Soldaten und zwar eine menge Soldaten. Je nachdem wie weit unsere Forschung im Waffensektor voranschreitet ver√§ndert sich, simuliert dargestellt, die Vorgehensweise unserer Armeen. Vorbei sind die Zeiten von Vorderladern und Bajonetten. Jetzt sind Maschinengewehre und schwere Artillerie gefragt. Denn mit modernen Truppen l√§sst sich schnell Land gewinnen. Damit das ganze nicht au√üer Kontrolle ger√§t und auf den Globus ein einziges Feuerwerk veranstaltet wird, gibt es Richtlinien die den Krieg realistisch wirken lassen sollen. Ohne Kriegsrechtfertigung marschiert nicht ein Gefreiter ins feindliche Land, zuf√§llige Events ausgeschlossen. Unberechtigte √úberf√§lle steigern den Infamie Wert unseres Staates ins unermessliche. Ist eine gewisse Obergrenze √ľberschritten kann ein Gro√üb√ľndnis verschiedener L√§nder schnell zur Abr√ľstung zwingen. Und das ist f√ľr eine gro√üe Nation wie Frankreich Existenz entscheidend . Befolgen wir stattdessen die Richtlinien kann die Nation im gro√üen Umfang wachsen und neue Bev√∂lkerungsgruppen und Religi√∂se Minderheiten assimilieren. Deren Alttagsbed√ľrfnisse sollten zufriedenstellend gestillt werden sonst stehen Revolten bevor, wenn man sie nicht vorher durch Unterdr√ľckungspunkte verhindert. Rebellionen sind f√ľr Nationen sch√§dlicher wie jeder andere Krieg. Kurzerhand k√∂nnen neue Regierungssysteme etabliert werden. Aus Demokratien werden Absolute Monarchien oder Diktaturen. Aus Monarchien werden B√ľrgerherrschaften, Faschisten l√∂sen Liberale ab, Konservative werden durch Kommunisten gest√ľrzt. Knapp Formuliert, alles was wir bisher Poltisch in der Welt gesehen haben hat Paradox in Perfektion in Victoria 2 eingebaut.

Wie bei den anderen Titeln nutzt auch Victoria 2 eine verbesserte Version der Clausewitz Engine. Dabei sollte man vor allem den grafischen Umfang nicht mit anderen Game Engines, die beeindruckende Grafik samt Effekten erzeugen k√∂nnen, vergleichen. Die einzigen im Spiel dargestellten Dreidimensionalen Objekte sind die recht Polygon armen Armeemodelle. Der Rest wird in einer sehr √ľbersichtlichen 2D Weltkarte pr√§sentiert. Ohne diese w√ľrde sehr schnell die √úbersichtlichkeit von Land einnahmen und Kolonialisierungen verloren gehen. So ist die gesamte Ansicht Grafisch etwas schlicht gehalten bietet aber eine beachtlich Genauigkeit und Details. Von den Alpen bis zu den Rocky Mountains ist die Welt eins zu eins nachgebildet worden. Paradox setzt dabei nur einige spielwichtigen Elemente bildlich um. Das Versorgungslimit von Provinzen wird in einer Tabelle gemeinsam mit den anderen Eigenschaften des Gebiets angezeigt. Bessere Nachschubsrouten sind vor allem durch Eisenbahnnetze ersichtlich. Den √úberblick beh√§lt man aber letzten Endes durch das Einschalten von verschiedenen Ansichten die die kulturellen Regionsunterschiede, Die Reichsgrenzen (oder das Reichsterritorium) und die Effektivit√§t von Verwaltungsorganen anzeigen. Etwas komplizierter dagegen ist trotz fein gegliederten Reitern das Wirtschafts- und Welthandelssystem. Buchhalter d√ľrften am wenigsten Probleme damit haben die Spielinternen Statistiken auszuwerten. Ein Gro√üteil des Spiels wird so durch die eigene Fantasie dargestellt. Dies betrifft auch die Gefechte im Spiel. Au√üer Moral und Versorgungsbalken sind es lediglich aufflackernde Zahlen die den Status der Armeen wiedergeben. Schlachten wie in einem Total War Spiel zu f√ľhren ist bei Paradox Speielen generell nicht m√∂glich.

Um das Spiel noch zu vers√ľ√üen haben die Entwickler aus dem kalten Norden Victoria 2 mit einem Mehrspielermodus ausgestattet. Neben den immer vorhandenen LAN Modus kann man seine Weltherrschaftsfanatasien noch auf den Hauseigenen Metaservern ausleben. An dieser Stelle sei erw√§hnt das sich die Community zu diesem Nischen Publisher sehr eigenstirnig verh√§lt und man ohne Offiziellen Absprachen in den Foren kaum auf Mehrspielerpartien trifft. Dies hat den Hintergrund das bedingt durch die Spielbarkeit nur sehr wenige gro√üe Nationen zur Verf√ľgung stehen denen eine breite Masse an schwachen Staaten gegen√ľber steht. Um so ein vom Spiel nicht vorgelegtes Gleichgewicht zu bewahren werden vor den Partien eigene Spielregeln aufgestellt, die bei Nichtbeachtung sehr schnell den eigenen Ruf ruinieren. Da bei diesem Spiel nur wenige hundert Spieler vorhanden sind die tats√§chlich bereit sind im Online Modus gegen Unbekannte anzutreten ist es nur ratsam sich an diese individuellen Regelwerke zu halten. Die Geschwindigkeit des Zeitraffers kann nur vom Host festgelegt werden. Dadurch entsteht eine gewisse Art Rundenstrategie.

Fazit

Als langj√§hriger Fan von Paradox Monstersimulationen konnte auch ich der Versuchung nicht widerstehen in der Welt Anfang des 19. Jahrhunderts Fu√ü zu fassen. Der Einstieg war mit einer 90 Grad steilen Bergwand zu vergleichen. Die ersten Stunden endeten meistens im totalen Desaster, da ich keine Ahnung hatte was ich alles auf meiner Aufgaben Liste zu erledigen hatte. Erst durch die Zuhilfenahme von Let’s Plays und einiger Tutorials war es mir m√∂glich, mich in diesem Komplexen Spiel zurecht zu finden. Daher kann ich den Kauf nur jeden Abraten der Ungeduldig ist und lieber ein schnelles Spiel sucht. F√ľr Geschichtsstudenten und Historie begeisterte ist auch dieser Paradox Teil das gelobte Produkt. Grafikfetischisten d√ľrften an Victoria 2 ohnehin durch die etwas r√ľckst√§ndig wirkende Engine keinen Gefallen finden.

6,5 /10

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Bewertung: 5.0/5 (11)