Kolumne: Das Aussterben von Papier und Print

In absehbarer Zeit werden wir uns von einem wie in Stromberg stereotypisch dargestelltem BĂŒro mit prallgefĂŒllten AktenschrĂ€nken und umherfliegenden Papierknollen verabschieden, denn Papier stirbt aus; es etablieren sich lĂ€ngst Bezeichnungen wie „Das papierloses BĂŒro“, denn auch dahingehend ist eine Digitalisierung gegenwĂ€rtig, und wird ihren Abschluss finden. Ein letzter Schritt dorthin ist branchenĂŒbergreifend Cloud Computing, auch wenn … weiter

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Kolumne: Das Aussterben von Papier und Print

Malte am 30.Dezember 2017 um 13:12:32

In absehbarer Zeit werden wir uns von einem wie in Stromberg stereotypisch dargestelltem BĂŒro mit prallgefĂŒllten AktenschrĂ€nken und umherfliegenden Papierknollen verabschieden, denn Papier stirbt aus; es etablieren sich lĂ€ngst Bezeichnungen wie „Das papierloses BĂŒro“, denn auch dahingehend ist eine Digitalisierung gegenwĂ€rtig, und wird ihren Abschluss finden. Ein letzter Schritt dorthin ist branchenĂŒbergreifend Cloud Computing, auch wenn auf den ersten Blick gar kein direkter Zusammenhang besteht. Eine PrĂ€senz wird unser geliebtes Papier selbstverstĂ€ndlich weiterhin pflegen, wie in Form von BĂŒchern, denn hier ist sowohl der ideelle Wert – wir stellen BĂŒcher gerne ins Regel; Geschenk – als auch ein emotionaler Nutzwert – abends ins Bett kuscheln und noch ein bisschen Lesen; der Geruch von Papier – am vermeintlich höchsten.

In einfachen Worten ist Cloud Computing die Bereitstellung von Computingdiensten (Server, Speicher, Datenbanken, Netzwerkkomponenten, Software, Analyseoptionen und mehr) ĂŒber das Internet („die Cloud“).

Quelle: Microsoft Azure

Die papierlose Zeitschrift

Was nach Science-Fiction klingt, ist zum Greifen nahe und in vollem Gange, denn Zeitschriften und Tageszeitungen werden lĂ€ngerfristig als Druckmedium – als Papier – vom Markt verschwinden oder bestenfalls ein Nischendasein pflegen. Die Kosten sind zu hoch, die Nachfrage fortlaufend geringer, die Latenz in einer immer schnelleren Gesellschaft zu lang. Eine gut digitialsierte Zeitung oder Zeitschrift wird ihre Einnahmen nur noch ĂŒber digitalisierte Erlösmodelle generieren können, wie etwa Paywalls oder Content-Aggregationen, die momentan der „Gratiskultur“ im Online-Journalismus fruchtend entgegengewirken. Eine Annonce in der Zeitung aufgeben? Das steht in keiner Kosten-Nutzen-Relation und ist statistisch wenig messbar, wodurch Online-Advertising mĂ€chtig punktet, das auch steigende UmsĂ€tze aufweist:

Laut WUV soll Online-Werbung in diesem Jahr sogar erstmalig den TV-Markt ĂŒberholt haben, was durchaus als Meilenstein betrachtet werden kann.

Aber wir können einen Wandel natĂŒrlich nicht in erster Instanz aufgrund hervorstechender Zahlen untersuchen, denn diese sind lediglich ein sensibles Resultat einer Restrukturierung von Interessen, Gewohnheiten oder technischen Fortschritts. Wie vermutliche einige alltĂ€glich beobachten, kann selbst Omi neben jahreszeitbedingt tollen PlĂ€tzchen backen auch ein Tablet oder Smartphone wenigstens rudimentĂ€r bedienen, und nutzt es bereits als sekundĂ€res Informationsmedium, neben der Brigitte im Zeitungskorb đŸ˜‰ Doch wie sieht das in anderen Generationen aus, oder einmal konkret im Kontext von uns Spielern, die im Hinblick auf Digitalisierung gesellschaftlich möglicherweise sogar eine Vorreiterrolle einnehmen? Die Auflagenzahl der Computer-Bild-Spiele ist – adĂ€quat jargonhaft – vernichtend.

Es sind in absehbarer Zeit weitere, vehemente VerĂ€nderungen im Printbereich zu erwarten – der Stein ist lĂ€ngst ins Rollen gebracht und wird noch weitere der bisher zum GlĂŒck wenigen Opfer nach sich ziehen. Nur wer ein digital reprĂ€sentatives Angebot mit fortschrittlichen Zahlungs-, Inhalts- und Werbemodellen, Benutzerinteraktionsmöglichkeiten sowie PrĂ€senz in sozialen Netzwerken zeigt, darf in der „Ära ohne Papier“ weiterhin mitspielen.

Das papierlose BĂŒro

Wenn nun aber physische Dokumente keinen Platz mehr in der anfĂ€nglich skizzierten Vision finden sollten, werden jegliche Papers digital erstellt, abgerufen, bearbeitet, gespeichert, unterschrieben und geteilt. Diese Prozesse sind sowohl nach heutigen, technischen Gegebenheiten, als auch rechtlichen problemlos umsetzbar. Es ist dabei unabdingbar, sich der SensibilitĂ€t von  Daten und Informationen bewusst zu sein, sowohl im Hinblick auf die Datensicherheit (VerschlĂŒsselung), als auch Datensicherung (Backups).

Denn verlieren wir einmal Online-Dokumente, schĂŒtzen sie nicht hinreichend vor Angriffen oder externalisieren interne Papers, ohne volle Kontrolle darĂŒber zu haben, stellt dies hohe Sicherheitsrisiken dar, die der knarzende Aktenschrank im BĂŒro so nicht bewirken kann.

Vorteile des Cloud-Computing

kostenfreie Infrastruktur: Es wird nicht in zusĂ€tzliche Hardware oder Infrastruktur wie Server, NetzwerkgerĂ€te, Speicher oder Software investiert werden mĂŒssen. Wenn auf Cloud Computing Services zurĂŒckgegriffen wĂŒrde, mĂŒssten ArbeitsplĂ€tze lediglich mit leistungsschwĂ€cheren Thin-Clients ausgestattet werden, denn Speicherplatz, Rechenleistung oder Anwendungssoftware wird als Dienstleistung ĂŒber das Internet zur VerfĂŒgung gestellt.

Verwaltungskosten: Da lokal deutlich weniger IT-Infrastruktur installiert werden muss, wĂŒrden hohe Verwaltungskosten fĂŒr diese eingespart werden. Dies liegt im Verantwortungsbereich des Anbieters.

Kein Administrationsaufwand: Das Beschaffen neuer Hardware und IT-Infrastruktur bedarf aufwĂ€ndiger Einrichtung, dauerhafter Wartung und Planung, die auf das Unternehmen zugeschnitten werden muss. Wenn auf Cloud Computing zurĂŒckgegriffen wĂŒrde, mĂŒsste – einfach gesagt – lediglich ein fĂŒr die Anforderungen passendes Modell ausgewĂ€hlt werden.

Nachteile des Cloud-Computing

Bandbreite: Es werden alle Dateien aus dem Internet abgerufen. Fehlende Bandbreite oder hÀufige AusfÀlle des Providers könnten unter UmstÀnden einige ArbeitsablÀufe vollstÀndig unterbrechen. Auch der Cloud-Anbieter selbst könnte von Störungen betroffen sein, auch wenn dies aufgrund redundanter Strukturen unwahrscheinlich ist1

Kontrollverlust und Datensicherheit: Dateien werden nicht lÀnger lokal unabhÀngig verwaltet, sondern sind von der ZuverlÀssigkeit und Sicherheit des Cloud-Anbieters abhÀngig. Dies stellt insbesondere bei sensiblen Daten ein Risiko dar.

laufende Kosten: Cloud Computing verursacht auf den ersten Blick geringere Kosten als eine einmalige Investition; ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum und mit steigender Nutzung können sich diese jedoch signifikant erhöhen, insbesondere wenn Cloud-Dienste auf Anforderungen individualisiert werden mĂŒssen. Hier gilt es unbedingt eine Kostenanalyse vor Lizenzerwerb zu erstellen.


Fazit

Auch wenn in dieser kurzen AusfĂŒhrung die technischen Aspekte von Cloud Computing rund um die genaue FunktionalitĂ€t außer Acht gelassen wurden, ist es selbst trivial betrachtet bemerkenswert, wie viele Branchen sowohl Cloud Computing, als auch das sinkende Verlangen nach Papier lĂ€ngerfristig beeinflussen wird, nicht nur im Hinblick auf die Dokumentenverwaltung. Wer weiterhin auf konventionelles Papier setzt, wird im Zweifelsfall schmerzlich erfahren mĂŒssen, dass sich diesen technischen Errungenschaften (Verwaltung/BĂŒro), aber auch gesellschaftlichen Entwicklungen (Zeitung/Zeitschrift) frĂŒher oder spĂ€ter gebeugt werden muss, und letzten Endes die Vorteile ĂŒberwiegen.

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