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Grand Tourisme Injection – mit der Abkürzung kam 1976 ein leistungsstarker Volkswagen Golf auf dem Markt. 30 Jahre später widmete Techland diesem Modell ein Rennspiel, welches zwar keine Bäume rausreißen konnte, aber doch nette Ansätze besaß.


Deep Silver veröffentlichte im Frühling 2006 das von Techland entwickelte “GTI Racing”, welches logischerweise den größten Fokus auf den Volkswagen Golf hat. Neben dem Golf von der ersten bis zur damals aktuellen fünften Generation (fälschlicherweise auf der Packung als “brandneu” bezeichnet) darf man allerdings auch Modelle wie den Käfer, den ersten Transporter (bzw. VW Bus), den New Beetle oder einige Konzeptfahrzeuge durch verschiedene Strecken auf der Welt bewegen. Genauer gesagt durch Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritanien und Texas.

Der Karrieremodus bietet 72 Rennherausforderungen, welche überwiegend aus Rundkursen bestehen, hin und wieder allerdings auch garniert sind mit Drag-, Drift- und Freistilrennen. Bei jedem Rennen gibt es Geldpreise, die in Aufrüstteile oder neue Fahrzeuge investiert werden können. Hin und wieder können auch Bonuswagen gewonnen werden, die dem Spieler mehr Geld für Aufrüstteile übrig lassen. Klingt ein wenig nach einem “Need for Speed: Volkswagen Golf”, aber weit gefehlt: “GTI Racing” kam – zumindest bei der Fachpresse – nie wirklich gut an seine Konkurrenz ran.

Die Meisterschaft des Spiels wird “Rennserie” oder “Rallye-Meisterschaft” genannt. Im Laufe der Zeit nimmt man so an zig verschiedenen Cups teil. Angegeben wird immer das Preisgeld für den ersten Platz. Gerade im mittleren Schwierigkeitsgrad, der standardmäßig eingestellt ist, ist das durchaus zu schaffen. Doch der erste Platz ist nicht zwingend notwendig, das Spiel gibt sich zum Freischalten der weiteren Herausforderungen mit dem zweiten Platz zufrieden. Sehr fair, wo doch viele Konkurrenten immer die Top-Platzierung haben wollen.

Entweder einer oder drei, mehr Gegner bietet das Spiel nicht. Das ist bei den meisten Strecken eine durchaus sinnvolle Anzahl, einige empfinden das als zu wenig. Deren Stärke ist von Rennen zu Rennen unterschiedlich. Mal sind sie etwas stärker als der Spielerwagen, mal sind sie unglaublich schwach und man lässt diese weit hinter sich. Und wenn die KI mal in der Nähe ist, verhält sie sich ziemlich doof: bei simplen Rammern verlieren sie die Kontrolle und fliegen aus der Strecke, das kriegen sie aber auch ohne jegliches Zutun von Seiten des Spielers hin. Und allgemein gelten sie als sehr schadenfroh.

So groß einige Kurse sind, viel Aktivität darf man auf diesen nicht erwarten. Auf dem deutschen Kurs, der unpassenderweise weit weg vom Standort von Volkswagen stattfindet – nämlich in Bayern – gibt es Kühe. Sonst gibt es an der Startflagge meistens Publikum. Fährt man beide bewegliche Objekte an, setzt das Spiel das eigene Fahrzeug zurück und kann innerhalb von drei Sekunden wieder losfahren. Sonst gibt es nur abwechslungsreiche tote Gegenden zu erblicken. Selbst die Zugstrecken in Texas und in Frankreich werden nicht befahren, wobei man während eines Rennens ungern an einem Bahnübergang warten möchte, während alle Gegnerschaften Richtung Ziel düsen.

Und dann gibt es noch die Physik. Keine Frage, die Fahrzeuge steuern sich nicht zu Arcade-lastig und nicht zu realistisch, Techland hat hier einen soliden Mittelweg gefunden und mit der Steuerung kann man sich schnell anfreunden. Die Welt von „GTI Racing“ nutzt allerdings eine seltsame Art von Erdanziehungskraft, denn die Fahrzeuge kleben förmlich auf dem Boden. Sprünge fühlen sich eigenartig an und das eigene Gefährt dreht sich bei einer kleinen doofen Unebenheit auf der Straße um 180°. Sprungschanzen werden plötzlich zu einer unberechenbaren Waffe. Das ist reichlich ungesund für ein Rennspiel.

Während der überwiegende Teil der Meisterschaft aus klassichen Rundkursen besteht, gibt es neben diesen noch weitere Herausforderungen. Bei den Driftevents muss das Auto bei verändertem Fahrverhalten ins Schlittern kommen, dabei darf die Wand allerdings nicht berührt werden. Ein Punktzahlabstand sagt, ob der erste Platz sicher ist oder ob noch mehr geschlittert werden muss. Dragrennen sind Rennen gegen einen Kontrahenden auf einer sehr kurzen geraden Strecke. Hier muss eigenhändig und zum richtigen Zeitpunkt geschaltet werden und die einzig mögliche Kamerasicht ist die Innenraumperspektive. Sonst gibt es noch Checkpoint-Rennen mit der freien Wahl der Erreichung ebendieser (gerne auch querfeldein) und eine Freistil-Veranstaltung, wo man Pappfiguren ausweichen muss.

Ist eines dieser Herausforderungen gewonnen, können mit etwas Glück neue Fahrzeuge gekauft werden, sonst muss man sich der Aufrüstung seines derzeitigen Gefährts widmen mit dem Erwerb neuer Aufrüstteile. Davon hat das Spiel reichlich zu bieten, sogar von namhaften Herstellern. Motor, Turbo, Getriebe, Bremsen, Stabilisatoren, leichtgewichtigere Karosserieteile etc… „GTI Racing“ lässt da kaum Wünsche offen. Jedoch sollte man nicht mit unfangreichen optischen Modifizierungen à la „Need for Speed“ rechnen. Es gibt feste Lackierungen und nur ein paar Karosserieteile, der Großteil der Aufrüstungsteile beschränkt sich mehr auf die inneren Werte.

Im Laufe der Karriere werden neue Fahrzeugkategorien freigeschaltet, die seltsame Namen haben (etwa ist der Golf IV in der Kategorie „Ausgaben“). Für bestimmte Herausforderungen sind Fahrzeuge einer oder zwei bestimmter Kategorien vorgesehen, insofern muss man sich auf diese beschränken. Im Fall des VW-Busses (auch VW T1 genannt) kann man im Karrieremodus sogar ein Fahrzeug gewinnen, welches man in der Form nicht kaufen kann. Später wird einem die Kaufentscheidung abgenommen, wenn das gewonnene Bonusfahrzeug eines von der später notwendigen Kategorie ist.

Grafisch muss sich „GTI Racing“ keineswegs verstecken. Mit den höchsten Grafikeinstellungen hat das Spiel für sein Erscheinungsjahr eine recht ansehnliche Grafik, unter anderem mit hübschen Reflektionseffekten auf der Karosserie. Von außen sieht man bei den ganzen Vehikeln einen detallierten Innenraum, etwa die roten Sitzpolster der GTI-Modelle, und einen menschlichen Fahrer am Steuer. Dieser Augenschmaus setzt sich allerdings nicht im Innenraum fort, denn die Innenraumperspektive hat sehr niedrig aufgelöste Texturen. Immerhin bewegen sich die Scheibenwischer bei Regen oder Schlamm, was man auch in der Innenraumperspektive sehen kann.

Im Einzelrennen können die freigeschalteten Rennen zu unterschiedlichen Tageszeiten (von 7 bis 18 Uhr) bei klaren oder regnerischem Wetter gefahren werden. Zur Auswahl stehen nicht nur die freigeschalteten Modelle zur Verfügung, sondern auch die, die man in seiner Werkstatt besitzt. Zusätzlich lassen sich alle Aufrüstteile einbauen. Das ist praktisch, um auch mal sein fahrerisches Können mit kompletten Tuning zu zeigen. Viel kaputt geht beim Auto ohnehin nicht, bei einigen Schrammen zerspringen die Scheiben. Mehr passiert allerdings nicht. Im Laufe des Spiels wurde mein eigener Volkswagen nie richtig kaputt und hatte Schadenswerte um max. 3%.

Die absolvierten Rennen können in verschiedenen Kameraperspektiven und mit zahlreichen mehr oder weniger sinnvollen Videofiltern in Form von Wiederholungen betrachtet werden. So ist es möglich, die verschlampte Frontansicht anzuschauen, denn im Spiel kann man nicht nach hinten sehen, weder per Taste noch mithilfe eines Rückspiegels. Eine Einzigartigkeit, die nicht hätte sein müssen. Seltsamer Nebeneffekt: bei manchen Wiederholungen kann es beim Betrachten vorkommen, dass das eigene Fahrzeug auf einmal unsichtbar ist, aber nur bei bestimmten Perspektiven. Die Wiederholungen lassen sich abspeichern und später über das Hauptmenü erneut abrufen.

Technisch lief das Spiel auf dem Testsystem (AMD Phenom 9600B, 4GB RAM, GeForce 9800 GT Green Edition, Windows Vista SP1) auf höchsten Einstellungen und in der Auflösung 1024×768 Pixel hervorragend, abgesehen von einigen nervigen Mikrorucklern, die ich aber eher auf die Treiber als auf das Spiel schiebe. Der StarForce-Treiber, der unter Windows Vista nicht funktioniert, zwang mich allerdings zur Nutzung eines No-DVD-Patches. Bis auf die eine Sache mit den Wiederholungen bemerkte ich beim Durchspielen keinerlei technische Macken. Zudem fielen selten Platzhalter-Texte auf.

Fazit

Nicht nur Fans des Automobils aus Wolfsburg, sondern auch Gelegenheitsspieler finden mit GTI Racing ihr Videospiel. Die abwechslungsreichen Rennherausforderungen finden in Kombination mit der guten Modellauswahl von Käfer, Golf & Co. und dem Tuning durchaus Gefallen. Stellt man allerdings Vergleiche mit der Konkurrenz an, finden sich schnell Negativpunkte. Die seltsame Physik, die einen gerne aus der Strecke schmeißt, ist ärgerlich. Und Techland hat sich bei der Präsentation aller Features nicht die beste Mühe gegeben. Für spektakuläre Rennveranstaltungen hat hier offenbar der Platz gefehlt. Nichts desto trotz wurde hier ein überaus nettes, wenn auch kein allzu hervorstechendes Rennspiel mit Volkswagen kreiert, welches für einige Stunden Spielspaß sorgt.

VN:F [1.9.22_1171]
Bewertung: 5.0/5 (3)
Retro-Check: GTI Racing, 5.0 out of 5 based on 3 ratings

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht von kepu am 9. August 2021.
kepu beschäftigt sich auf seinem YouTube-Kanal "kepuexe" über die (PC-)Technik der vergangenen Jahrzehnte. Doch auch in schriftlicher Form ist er als freier Autor unterwegs. Er hat 13 Artikel geschrieben.

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